Mein KUNSTSTÜCK : Anarchie trifft Akribie

Kolja Reichert beobachtet einen komischen Punkrocker

Kolja Reichert

Punk sei nicht tot, heißt es seit den Achtzigern, er rieche nur schlecht. Stimmt schon, Punkrock ist so wenig tot wie irgendwas im Rock’n’Roll. Er riecht nur gar nicht mehr. Immer wieder steigen die Rockrebellen von gestern aus der Kiste auf die Bühne, und die gesamte Pop-Geschichte ist auf beklemmende Weise gegenwärtig. Ein harmloser Untoter auf Hochglanz. Ted Riederer aus New York tat mit seiner Band The Resurrectionists (Die Wiederaufersteher) etwas, das schon viele vor ihm taten: Er zertrümmerte in dionysischem Wahn das ganze Equipment. Aber dann machte er etwas Ungewöhnliches: Er baute es Stück für Stück wieder zusammen. Das Ergebnis steht derzeit bei Goff + Rosenthal. Im Hintergrund läuft der Zerstörungsakt in Zeitlupe, und darüber klagen und heulen krumm und schief die zusammengeflickten Instrumente. Anarchie trifft Akribie, ein witziges Spiel mit den großen Gesten des Rock. Im vorderen Schauraum steht ein Krieger aus Punk-Schallplatten einem Totenkopf-Haufen aus Pop-Schallplatten gegenüber, Reminiszenz an alte Gräbenkämpfe. Das Schaufenster gleicht dem eines Plattenladens – und erinnert damit an eine Kultur, die wirklich stirbt.

Goff + Rosenthal, Brunnenstr. 3, bis Sa 16.2., Di-Sa 11-18 Uhr

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