Mein KUNSTSTÜCK : Augenvöllerei ohne Reue

Nicola Kuhn verliert sich in der reinen Bilderlust

Nicola Kuhn

In seiner Eröffnungsrede hat sich Christoph Stölzl noch gewundert, warum solch sinnliche Malerei in Berlin nicht viel mehr zu sehen ist. Der Mann mit dem unverkennbar bayrischen Idiom versteht darin die Preußen nicht. Vielleicht liegt es daran, dass in den Interieurs, die Caroline Weihrauch etwa in der Paris-Bar schuf, die Servietten wie Schneeberge wirken und die Weingläser Gletscherseen gleichen. Obwohl die Hamburger Malerin schon viele Jahre in Berlin arbeitet, hier bei Petrick und Diehl studierte, gilt es sie noch immer zu entdecken. Ein sahnigeres Weiß, ein satteres Rot hat man hier selten gesehen. Die Galerie Friedmann-Hahn hat sie neu in ihr Programm aufgenommen, wo sie nun ihre „Pleasure Grounds“ ausbreitet, wie eine frühere Serie über Sanssouci hieß. Ihre jetzt gezeigten venezianischen Altäre sehen aus wie Torten, ihre gemalten Apartmenthäuser vom Strand in Ostia wie Petit fours. Trotzdem holt sich der Betrachter bei dieser Augenvöllerei keinen verrenkten Magen, denn Caroline Weihrauchs Motive schwimmen stets in einem Meer aus Blau, einem herrlich malerischen Nichts, und geben damit Raum ganz einfach zum Genießen.

Galerie Friedmann-Hahn, Wielandstr. 14, bis Sa 23.2. Di-Fr 15-18 Uhr, Sa 11-16.30 Uhr

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar