Mein KUNSTSTÜCK : Das schwere Leuchten

Annabelle Seubert

Die schwarze Linie ist der rote Faden. Sie begrenzt, erweitert, strukturiert, führt ins Leere. Henning Kürschner arbeitet mit wenigen, aber dafür expressiven Grundelementen. Figuren und Formen deutet er bloß an. Farben beherrschen seine Leinwand. Feines Himmelblau setzt der Maler neben grelles Pink, Gemälde nennt er „Gelb, Weiß und Schwarz“. Es ist, als untersuche er Nuancen und Abstufungen. Passt die wilde Wischtechnik neben pastos aufgetragene Ölfarbe? Wie wirkt ein skizzierter Schreibtisch mit grüner Arbeitsplatte? Verhindert die dunkle Kontur, dass sich rot und rosa beißen? Die Umrisslinie stellt auf jeden Fall klar, dass „Marokkofragment“ trotz Palmen und bunten Gewändern kein luftiges, sommerliches Bild ist. Wie es sich so groß und breit auf weißer Wand in der Galerie parterre ausbreitet, haftet ihm mehr von Behäbigkeit und drückender Hitze als von der Lebendigkeit eines Marktplatzes an.

Kürschner studierte bei Fred Thieler in Berlin. Sein Lehrer bestärkte ihn stets darin, eigene Motive zu suchen. Die hat der Künstler aus Wernigerode gefunden. Leuchtkraft haben sie alle, seine Kunstwerke. Leichtigkeit nicht.

Galerie parterre, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg,

bis So 16.5., tgl. 14-20 Uhr

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