Mein KUNSTSTÜCK : Der Kolonist im Mauerpark

Katja Reimann besteigt eine Skulptur und schaut sich um

Katja Reimann

Kaputte Bierflaschen, jede Menge Steine, Gras, Sträucher und mittendrin: eine kunstvoll aus Sperrholz und Dachlatten gezwirbelte Helix, die sich beinahe dynamisch aus dem Geröll und dem wildem Pflanzenbewuchs des ehemaligen Mauerstreifens emporschraubt. Sie trägt einen monumentalen Titel: „The Empty Dwelling, the Vain Tower and the Mad Colonist“. Doch stabil sieht sie nicht aus, die Skulptur des Berliner Künstlers Kai Schiemenz. Draufklettern kann und soll man trotzdem. Das hölzerne Kunstwerk im Berliner Skulpturenpark ist nämlich gleichermaßen eine Aussichtsplattform. Ein Wachturm vielleicht, ein Ausguck ohne Mast. In jedem Fall ist von dort oben Land in Sicht – Brachland, das umzingelt ist von neuen, hohen Häusern und eingezäunt mit einem Bauzaun. Es ist ein Niemandsland, das Schiemenz Skulptur stolz und trotzig besetzt hält und das der Betrachter, wenn er den Turm erst mal erklommen hat, rundum einsehen und ebenso für sich beanspruchen kann. Der „Mad Colonist“ im (noch) brach liegenden Mauerstreifen bewahrt Haltung – auch wenn ihm die Neubauten rundherum schon gefährlich nahe rücken.

Skulpturenpark Berlin

Zentrum, Ecke Kommandantenstr./Alte-Jakob-Str.,

bis So 16.3.

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