Mein KUNSTSTÜCK : Der Nordpol von hinten

Annabelle Seubert

Toll, wenn man die Tür einer Galerie öffnet und erst mal vor einem Vorhang steht. Den beiseiteräumt und vor dem nächsten Vorhang steht. Den wiederum beiseiteräumen muss und dann vor der Welt steht. Genauer: der Welt von hinten. So ist zumindest die große Karte in der Emerson Gallery aufgehängt – mitten im Raum, falsch herum, am Nordpol ausgeleuchtet. Von wegen heißt die Ausstellung von Inge Mahn, die lange an der Kunsthochschule Weißensee unterrichtet hat. „Von wegen“, hat sich die Berliner Künstlerin wohl auch gedacht, als sie ihre Bleistiftskizzen im Hinterzimmer der Emerson Gallery platzierte.

Man muss schon etwas dafür tun, um in ihre Privatsphäre dringen zu dürfen! Also vorbei an den Hindernissen, vorbei an der Erde, hinein in Mahns Atelier. Danach sieht es hier nämlich aus. Da steht eine Staffelei, von der weißer Verputz bröckelt. Dort hängen Aktzeichnungen, die in ihrer Aufreihung rastlos, leidenschaftlich und unfertig wirken. Eine Frau stützt sich auf ihrem Arm ab, dann versteckt sie ihr Gesicht, dann senkt sie den Blick. Als wisse sie nicht, welche Position die richtige ist. Was hinter dem nächsten Vorhang wartet.

Emerson Gallery, Gartenstraße 1, Mitte, bis Do 1.4.,

Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 12-16 Uhr

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