Mein KUNSTSTÜCK : Doppelt heimatlos

Armin Leidinger entdeckt frühe Reisefotografien

Armin Leidinger

In Jerewan ist eine Straße nach ihm benannt. In Deutschland aber geriet der Schriftsteller Armin T. Wegner (1886-1978) nach dem Krieg derart in Vergessenheit, dass man ihn 1947 kurzerhand für tot erklärte. Dabei lebte er im italienischen Exil. Auf Reisen führte Wegner stets eine Leica-Kamera mit sich. Mit den Aufnahmen bebilderte er seine Reiseberichte. Doch wer schon als Autor im Abseits steht, wird als Reisefotograf erst recht ignoriert. Nun aber wird er wiederentdeckt. Die Guardini-Galerie zeigt Wegners fotografisches Werk von 1915 bis 1929.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf einem zeitgeschichtlichen, noch immer brisanten Moment. Als freiwilliger Krankenpfleger im ersten Weltkrieg wurde Wegner Zeuge der Vertreibung der armenischen Bevölkerung aus Anatolien. Und hat diese fotografisch dokumentiert: Kinder, die auf der Flucht von ihren Eltern getrennt werden, öffentliche Hinrichtungen, das provisorische Leben in Lagern, Leichen am Wegesrand. Wegner hat diese Bilder unter Lebensgefahr aufgenommen und für Vorträge zur Ermordung und Vertreibung der Armenier verwendet. Bis heute bewegen diese Bilder.

Guardini-Galerie, Askanischer Platz 4, bis Fr 21. 11.,

Di-Fr 14-19 Uhr

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