Mein KUNSTSTÜCK : Filmecht und lebenswahr

Nicola Kuhn träumt sich in ein Künstler-Hotel

Nicola Kuhn

Manchmal braucht es nur eine prosaische Neonwerbung, und schon ist ein Stück Großstadtpoesie in den urbanen Raum geschrieben. Noch besser würde es dem schottischen Künstler Douglas Gordon allerdings gefallen, wenn es immer regennasse Nacht um seinen schimmernden Schriftzug Hotel Marienbad an der Hauswand der Kunst-Werke wäre, denn das würde den cineastischen Reiz seiner Wandinstallation erhöhen. Dabei verbirgt sich hinter dem Schild tatsächlich ein Hotel und nicht nur ein Verweis auf den Resnais-Film „Letztes Jahr in Marienbad“ oder Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“, in dem ein gleichnamiges Kinoschild ins Bild kommt.

Für ein Jahr ist im Vorderhaus der Kunst-Werke eine Gästebleibe eingerichtet, die von den residierenden Künstlern jeweils selbst gestaltet wird. Den Anfang macht eine fünfköpfige Künstlerinnengruppe aus Bremen, die sich neben dem Showroom mit Pferdekopf über der Schlafstatt im hinter einem Spiegel verborgenen Separee ein fünfstöckiges Bett aufgebaut hat. Man staunt nicht schlecht über diese Kemenate der Kunst, in der sich die Bewohnerinnen zweifelsfrei Nacht für Nacht lebensechte Beulen beim Aufstehen holen.

Kunst-Werke, Auguststr. 69, Di-So 12-19, Do bis 21 Uhr

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