Mein KUNSTSTÜCK : Grüße aus dem Geisterreich

Katja Reimann sieht alte Filme auf neuen Fotos

Katja Reimann

Eine Fußgängertunnel voller Menschen. Im Vordergrund: eine Frau im schwarzen Pelzmantel, die schüchtern in die Kamera blickt. Sie kommt nicht aus dieser Zeit, das sieht man an ihrem Make-up und dem Hut aus den zwanziger Jahren. Wie ein Gespenst steht sie da, unwirklich und blass. Der französische Fotograf Eric Rondepierre hat sie in diese Unterführung gestellt, genauer gesagt: montiert. Denn das Bild mit dem Titel „Passe“ besteht eigentlich aus zwei Teilen – einer Fotografie und darüber einem Standbild aus einem alten Stummfilm. Zwei Bilder, die alleine nichts Besonderes wären, aber kombiniert außergewöhnlich wirken.

In der Ausstellung mit dem Titel Umkehrungen sind Rondepierres Bilder in der Villa Oppenheim zu sehen. Der Franzose hält das bewegte Medium Film an, löst Szenen aus der Handlung, verfremdet und verknüpft sie mit Fotografien oder nutzt den gespenstischen Effekt korrodierter Filmbilder. Seine sepiafarbene Arbeit „Konvulsion“ zeigt ein Paar beim Liebesakt. Die Mitte des Bildes ist zerstört. Wo der Film sich auflöst, verschwimmt die Aufnahme: Die Liebenden verschmelzen zu einer Person.

Villa Oppenheim, Schlossstr. 55, bis So 25.5, Di-Fr 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr.

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