Mein KUNSTSTÜCK : Haus überm Kopf

Annabelle Seubert

Gut, es ist aus Pappe. Aber trotzdem: Sie hat sich ein Haus über den Kopf gestülpt. Mit kleinen Fenstern und einer Treppe. Damit fährt sie S-Bahn. Sitzt und wartet, schaut sich die Gegend an. Vielleicht sieht man so mehr? Oder nur das, was man wirklich sehen will? Lauren Moffatts Selbstversuch gibt es als Video in dem charmant-ruinösen Ort für zeitgenössische Kunst III zu sehen. Das Puppenhäuschen gibt’s gleich dazu. Es hängt von der leicht brüchig wirkenden Decke.

Wo Putz abblättert, muss Kunst drauf! Hat sich wohl Patrick Timm gedacht. Und eine ganze Wand mit Strichmännchen ausgestattet. Sie überlagern sich, formen eine Masse. Bloß am Rand sind noch letzte Einzelkämpfer zu entdecken. Einen Stock tiefer spult ein Projektor den Entstehungsprozess des Werkes ab. Auch rückwärts. Wie Ameisen laufen die Männlein da aufeinander zu und voneinander weg. Ähnlich diesem roten Punkt, der hin- und herwandert – und dabei auf einen Plattenspieler hört. Jana Debrodt arbeitet mit Licht und Klang. Sie reiht sich damit bestens in die Großstadt-Ausstellung ein. Geht es hier doch um Reizüberflutung.

III – Ein Ort für zeitgenössische Kunst, Torstr. 111, Mitte, bis Fr 30.4., Fr 16-19 Uhr

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