Mein KUNSTSTÜCK : Kleb die Tüte an die Wand

Annabelle Seubert

Plastiktüten. Man braucht sie kurz für den Nachhauseweg, und schon stören sie. Wohin damit? Wegwerfen? Aufheben? Zu Mülltüten umfunktionieren? Mbongeni Buthelezi hat die Lösung. Der Künstler aus Johannesburg hebt die Tragetaschen vom Straßenrand auf und fixiert sie per Heißklebepistole auf seine Leinwand. So akribisch, dass seine Werke wie Ölgemälde aussehen. Sie gewähren Einblicke in das Leben von Südafrika, zeigen Feldarbeiter, die „lächelnde Frau“ oder ein Mädchen, das Wasser holt.

Ansgar Skiba bildet dagegen kaum Menschen ab. Der gebürtige Dresdner betreibt regelrechte Naturstudien, in Monet-Manier gibt er Gärten in übergangslos verfließenden Pastelltönen wieder. Selbst seine einzige Person in der Ausstellung im Haus am Lützowplatz, diese hochgewachsene Dame, zeigt der Maler nur von hinten. Üppig Farbe hat er für das pinkfarbene Kleid der „Braut“ aufgetragen, ihr dafür einen zarten Schleier verpasst. Wie zwei dermaßen unterschiedliche Kulturen in eine Ausstellung passen, fragt man sich bereits beim Anblick von Skibas abstehenden Farbresten nicht mehr. Die würde man genauso gern anfassen wie Buthelezis Wundertüten.

Haus am Lützowplatz,

bis So 1.8., Di-So 11-18 Uhr

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