Mein KUNSTSTÜCK : Wieder duftet der Wald

Nicola Kuhn kommt mit Hanne Darboven auf Rilke

Nicola Kuhn

Eine elegische Stimmung breitet sich im Werkraum des Hamburger Bahnhofs aus, auch wenn es Rilke nicht zu lesen gibt. Stattdessen sind Blätter Hanne Darbovens zu sehen, der großen minimalistischen Buchhalterin. Merkwürdig fern wirken ihre mathematischen Reihen als Ode auf den Seelendichter. Doch steckt auch in Darbovens Zeilen Musik, Rhythmus, gesprochener Klang, ganz so wie bei Rainer Marias Versen.

Die Ausstellung animiert zu zweierlei. Zum einen beginnt man Rilke zu lesen und stößt in seinem „Buch der Bilder“, auf das sich Darbovens riesiges Werk „Fin de Siècle“ bezieht, auf ein Gedicht, das schön passt. „Aus einem April: Wieder duftet der Wald./Es heben die schwebenden Lerchen mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;/zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war,/aber nach langen, regnenden Nachmittagen/kommen die goldübersonnten/neueren Stunden.“ Das schrieb er in Berlin-Schmargendorf vor 108 Jahren. Zum anderen wünscht man dem Hamburger Bahnhof und dem Verein der Freunde der Nationalgalerie Glück, denn die Ausstellung soll ihren Ankaufswunsch beflügeln.

Hamburger Bahnhof, Invalidenstr. 50-51, bis So 18. 5., Di-Fr 10-18, Sa 11-20, So 11-18 Uhr

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