Mein KUNSTSTÜCK : Wir fahr’n auf der Autobahn

Eva Kalwa hört eine Rede und versteht kein Wort

Eva Kalwa

Erst sind es selbstbewusste, ja fast royale Gesten, mit denen sich die Frau auf der Tribüne Gehör verschaffen will. Doch der monströse Lärmbandwurm auf der Autobahn vor ihr enerviert sie zusehends, steigert die Bewegungen ihrer Hände ins zunehmend Angestrengte und Aggressive. Ihre weit geöffneten Lippen, die herausgestreckte Zunge wollen gegen den Mundtod anschreien, doch nur Fetzen einer fremdartigen Kunstsprache kommen heraus. Die Rednerin streut die Worte mit der Hand auf die vorbeirasenden Autos – doch keines hält an, das stete Vorwärtsmüssen verhindert jede Kommunikation.

Die Frau in Schwarz, die hier ungehört eine Rede ans Volk hält, ist Monika Lilleike. Als Austragungsort für die einfallsreiche Mischung aus Videokunst und Performance in der Ausstellung „Neustart“ wählten Lilleike und die Videokünstlerin Elvira Hufschmid die ehemalige Zuschauertribüne der Avus. Die über 85 Jahre alte Automobilverkehrs- und Übungsstraße im Südwesten Berlins ist heute ein Teilstück der A 115. Ist „nicht kommunizieren“ im mobilen Zeitalter doch möglich? Fast scheint es so. Man sollte nach dem Kurzfilm mal darüber reden.

Deutsches Technikmuseum Berlin, Trebbiner Str. 9, bis So 16.3., 4,50 €, erm. 2,50 €

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