Mein KUNSTSTÜCK : Wo Tränen zu Perlen werden

Kerstin Roose betrachtet Träume aus Samt und Seide

Kerstin Roose

Die Nacht ist ein Meer aus blauer Seide. Goldfäden überziehen sie wie Traumspuren, dazwischen verfängt sich ein Regen aus Perlen. Es mögen Tautropfen sein, die vom nahenden Morgen künden. Vielleicht sind es Tränen. Das Betrachten der Arbeiten von Maija Paavola gleicht der Lektüre eines Märchens: Sterne fallen als Gold vom Himmel, Tränen gerinnen zu Perlen, die Natur gibt ihr Eigenleben preis. Die finnische Designerin hat lange in der Textilindustrie gearbeitet und Stoff als künstlerisches Ausdrucksmittel entdeckt.

Aus Leinen, Samt oder Seide erschafft die Märchenweberin nun Wandbehänge und Skulpturen, die in ihrer Ausstellung Gespinste aus Wald und Moor im Finnland-Institut verzaubern. Die Themen entnimmt sie der „schönen, aber rauen Natur des Nordens“. Es sind Geschichten, in denen die Natur zum Spiegel der menschlichen Seele wird. Naturbilder und Emotionen verweben sich unlösbar – wie in den Gedichtwelten von Else Lasker-Schüler: „Seltsame Sterne starren zur Erde, / Eisenfarb’ne mit Sehnsuchtsschweifen, / Mit brennenden Armen, die Liebe suchen / Und in die Kühle der Lüfte greifen.“

Finnland-Institut, Georgenstr. 24, Mitte, bis Fr 4. 7., Mo 10-17, Di-Do 11-19, Fr 9-15 Uhr

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar