Mein KUNSTSTÜCK : Zwischen Drill und Trill

Kerstin Roose beobachtet Soldaten beim Kunstmachen

Kerstin Roose

Nackte Füße spazieren über eine blühende Sommerwiese. Sie stocken vor einer Armee schwerer Springerstiefel: verletzlich, bedroht, aber auch souverän. Die Spannung von Individuum und Masse, die sich in diesem Foto symbolisiert, charakterisiert das Schaffen von Almut Linde. „Mein Atelier ist die Welt“, sagt die 1965 geborene Lübeckerin und nähert sich ihr mit dem analytischen Blick einer Soziologin. Selten sieht man Gesichter in den Werken ihrer Ausstellung Dirty Minimal. Entstanden sind sie gemeinsam mit Soldaten der Bundeswehr.

Der Künstlerin geht es sowohl um die Ergründung sozialer Mechanismen als auch um die Rückbindung der Kunst an die Realität. So hielt sie Soldaten einen Vortrag über Objektkunst und bat sie, eigene „Object Art Statements“ zu entwerfen. In ihren Fotos, Zeugnissen der Dichotomie von individueller Abweichung und Norm, entstehen oft absurde Sinnzusammenhänge, wenn alltägliche Gegenstände auf die Symbolwelt des Militärs prallen. Wie im Bild eines steinernen Bundesadlers: Majestätisch thront er auf dem Dachfirst, wobei er würdevoll eine winzige Packung Trill auf seinen Schultern trägt.

Haus am Lützowplatz,

Lützowpl. 9, Tiergarten,

bis So 6.7., Di-So 11-18 Uhr

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