Zeitung Heute : Mein Leben und ich

BAR JEDER VERNUNFT Matthias Matschke verausgabt sich im Comedy-Solo „Schneller – Höher – Steifer“

G A BARTELS

Dass der so was merkt. „Zweiter Abend?“, fragt Matthias Matschke. „Da waren die Leute verwirrt und wollten nur den Monteverdi hören und dann möglichst schnell zum Italiener.“ Ertappt! Aber wie kann es sein, dass ein Ensembleschauspieler im Bühnengetümmel der Musiktheaterauflage von „Die Heimkehr des Odysseus“ an der Schaubühne so genau mitbekommt, wie das Publikum drauf ist? Er zuckt die Achseln und stellt die Bionade ab. Etwas vorzuspielen, die Reaktion der Menschen zu erspüren und wiederum darauf zu reagieren, gehöre nun mal zu seinem Job. „Es ist der Dialog, den ich anstimme.“

Der aus Hessen stammende, an der Hochschule der Künste ausgebildete, gut für Bühne, Film und Fernsehen gebuchte Schauspieler macht schon länger Comedy. Er ist Sketchpartner von Anke Engelke in „Ladykracher“ und der schräge Bruder von Bastian Pastewka in dessen gleichnamiger Serie. Und in „Matschkes Friday Late Night Show“ hat er am Lehniner Platz schon Komödianten wie Kurt Krömer präsentiert, bevor nur im Entferntesten damit zu rechnen war, dass der da auch mal in einem ernsten Stück auftritt. Solche Kollegen hat er jetzt für sein Solo-Debüt im März in der Bar jeder Vernunft „alle rausgestrichen“. Über den Titel der Veranstaltung „Schneller – Höher – Steifer“ grübelt er selber noch. „Keine Ahnung, was das heißen soll“, bekennt Matschke. Das Thema, das der 42 Jahre alte, mit drei Kindern, Ehefrau Judith Engel und zwei Kurzhaarcollies im Westend lebende Matthias Matschke beackern wird, steht immerhin schon fest: Es ist er selbst. Es gehe um das Leben eines Schauspielers, der nicht im Prenzlauer Berg wohne, verkündet der quecksilbrige Plauderer und ergänzt polyglott: „It’s hard to be Matschke, but somebody has to do it.“ Er setze sich der Welt aus und da sei Lustigkeit nicht zu vermeiden. Das Publikum darf mitmachen, ein bisschen jedenfalls. Mitleid kennt Matschke nicht: „Wer sich in die erste Reihe setzt, ist selber schuld.“

Der Schauspieler, der zur Theaterfamilie von Christoph Marthaler gehört und dessen „Murx den Europäer“ an der Volksbühne als sein künstlerisches Erweckungserlebnis sieht, hat sich das Stand-up-Virus in New York eingefangen. Da graste er unzählige Comedyclubs ab, die nach dem Prinzip ein Mann, ein Mikro funktionieren. Privat erzählt er keine Witze. So von allen angequatscht zu werden wie Kollege Pastewka neulich bei einem gemeinsamen Bummel durchs „Fantasialand“ gehe ja gar nicht, sagt Matschke. Wenn einer ruft: „Ey, hau ma’ einen raus!“, ist bei ihm Funkstille. Er beobachtet lieber „als stiller Jäger“ die Leute und bastelt komische Episoden daraus. Oder er macht Fotos, neben Schauspielerei und Musikmachen sein drittes Talent. Klapp, geht schon der Notebookdeckel hoch, er zeigt ein paar. „Axel Milberg beim ,Tatort’-Dreh, meine Tochter, Kinofilmdreh mit Gregor Schnitzler, Auftragsporträts.“ Irgendwann soll eine Fotoausstellung folgen.

Schon ein Phänomen, dass ausgerechnet dieser straßenköterblonde Typ mit dem Allerweltsgesicht der einzige Schauspieler ist, der schon seit Jahren erfolgreich die Grätsche zwischen Schauspielhäusern und Privatfernsehen schafft. Warum, weiß er selber nicht. „Bloß nicht so genau fragen“, winkt Matthias Matschke ab. Lieber froh sein, dass es so ist.

Übrigens ist der Comedian bei seinem ersten Solo so ganz allein dann doch nicht. Matschkes Late Night Wellness Band lockert die Show musikalisch auf. „Matschke ist halt immer with a little help from my friends“, erläutert er die Besetzungserweiterung. Als Frontfrau hat Andreja Schneider zugesagt, die vor ein paar Jahren schon bei seiner Inszenierung von Billy Wilders „Eins, zwei, drei“ im Hebbel-Theater mitgemacht hat. Was wird gesungen? Matthias Matschke legt die Stirn in Falten: „Das eine oder andere Lied.“ GUNDA BARTELS

Premiere 7.3., 20 Uhr

Weitere Vorstellungen 14., 21., 28.3., 20 Uhr

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