Zeitung Heute : Mein liebster Feind

Auf Europas größter Computerspiele-Messe in Leipzig suchen die Spieler an den Konsolen interaktive Herausforderungen

Gregor Wildermann

Wilfried Just vom Landeskriminalamt Sachsen hatte gestern einen besonderen Auftrag. Ihn erwartete am Donnerstagmorgen weder ein geheimer Undercoverauftrag noch eine Drogenrazzia im Bahnhofsmilieu. Mit seinem Vortrag zu modernen Medien in der Drogen- und Suchtprävention ist er einer der Redner auf der „Games Convention“ in Leipzig, die zum zweiten Mal in der Messestadt abgehalten wird und 2002 rund 80 000 Besucher anlockte. In diesem Jahr zeigen 200 Aussteller aus elf Ländern auf 40 000 Quadratmetern ihre neuesten Computerspieltitel, bei 38 Spielen handelt es sich sogar um Weltpremieren. Bis zum Sonntag finden Messebesucher in fünf Hallen klassische Attraktionen wie Surfsimulatoren oder Skateboardhalfpipes. Der Musiksender Viva, 3sat und das auf Jugendthemen spezialisierte GigaTV betreiben auf der „Games Convention“ gläserne TV-Studios.

Besonders dem Rahmenprogramm merkt man an, dass die Messe mehr als eine Werbeveranstaltung sein will. Im Vorfeld traf sich das Fachpublikum zum Meinungsaustausch und Vorträgen auf der „Games Developer Conference“. Wilfried Just hält seinen Vortrag im neu eingerichteten Bereich „GC Family“, der vor allem für Eltern eine Anlaufstelle zur Beratung beim Thema Computerspiele, Lernsoftware und Jugendschutz sein soll. Durch die Diskussion um Gewaltspiele sensibilisiert, zeigen alle Firmen Spiele für die Altersgruppe über 18 Jahren nur in abgetrennten Bereichen.

Fun, anyone

Noch bevor der erste Konsument das Messegelände betrat, schlug am Mittwoch im Pressezentrum die Stunde der Marketingstrategen. Da verkündete Sony Computer Entertainment den neuen Wahlspruch „Fun, anyone!“, mit dem diejenigen angesprochen werden sollen, denen Videospiele bisher zu speziell waren. Neuartige Spielkonzepte wie „EyeToy“ – eine Kombination aus separater Play Station-2-Kamera (PS2) und diverser Partyspiele – vermittelt eine neue und gleichzeitig interaktive Spiele-Erfahrung.

Diese Erfahrung will Sony auch auf seinem Messestand dem Publikum vermitteln. Schwerpunkte sind diverse Onlinetitel für Sonys PS2-Network Gaming oder ein DTM- Rennwagen, der zu einem hydraulisch gesteuerten Rennsimulator umgebaut wurde. Eine Deutschland-Premiere feiert die Autorenn-Simulation „Gran Turismo 4“, die mit weltweit über 32 Millionen verkauften Exemplaren nach einer Fortsetzung verlangte. In Verbindung mit dem PS2-Netzwerkadapter können weltweit bis zu sechs Spieler gleichzeitig ein Rennen austragen.

Stand die letztjährige „Games Convention“ noch ganz unter den Zeichen des Preiskampfes der drei großen Konsolenhersteller, wird dieses Jahr der erfolgreichste Sony-Verfolger mittels Absatzzahlen und Quartalsergebnissen ermittelt. Dabei sieht sich Microsoft mit weltweit 9,4 Millionen verkauften Xbox-Konsolen als Marktsieger des vergangenen Jahres. Nimmt man jedoch alle verkauften Konsolen zusammen, liegt Sonys Playstation weiterhin an Nummer eins. Vor allem der bisher in elf Ländern eingeführte Xbox-Live-Onlinedienst entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg, mit dem selbst Branchenkenner nicht gerechnet hatten. Auch Microsoft setzt deswegen in seiner Kommunikation immer mehr auf die soziale Komponente. Am 3. Oktober sollen in fünf deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf) „Xbox- Lounges“ eröffnet werden.

Warten auf Mario Kart: Double Dash

Die auf der „Games Convention“ erstmals teilnehmende Firma Nintendo sieht sich alles andere als abgeschlagen, auch wenn 6,4 Millionen weltweit verkaufter GameCube-Konsolen und eine Meldung über den kurzfristigen Produktionsstopp von Game Cubes andere Interpretationen offen lassen. Dabei dürften im Weihnachtsgeschäft besonders die lang erwarteten Titel ihre Kundschaft finden, zum Beispiel „Mario Kart: Double Dash“, „F-Zero GX“ oder Shigeru Miyamoto’s „Pikmin 2“.

Trotz des demnächst auf den Markt kommenden Sony-Portables PSP kann sich Nintendo immer noch auf Erfolgsgaranten wie seine Pokémon-Spiele und den Gameboy verlassen. Gerade mit dem neu eingeführten Gameboy Advance SP setzt man auf den „Swatch-Effekt“, womit der portable Handheldcomputer zum Lifestyleprodukt jenseits aller Altersgrenzen avanciert. Doch das ist für die 100 000 Besucher auf Europas einziger Publikumsmesse für Computerspiele in Leipzig an diesem Wochenende erst mal noch Zukunftsmusik.

Die Messe im Internet:

www.gc-germany.com

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben