Zeitung Heute : „Meine erste Hausarbeit in Deutschland“

Mitarbeiterinnen der Studienberatung helfen beim Start.

Lina Kokaly

Veronika setzt sich in die erste Reihe des Hörsaals. Sie ist erst vor ein paar Monaten nach Deutschland gezogen. Ihr Abitur hat sie in Lettland abgelegt, nun studiert sie Deutsche Philologie und Publizistik an der Freien Universität Berlin. „Ich habe schon in Lettland Deutsch gelernt, trotzdem ist es zunächst schwierig, hier ein Studium zu organisieren“, sagt sie. Mitarbeiterinnen der Studienberatung und Psychologischen Beratung helfen Veronika und ihren Kommilitonen deshalb beim Ankommen in Berlin und beim Studieneinstieg. Die Veranstaltung mit dem Titel „Meine erste Hausarbeit in Deutschland“, für die auch die junge Lettin heute in den Hörsaal gekommen ist, soll vor allem Studierenden aus dem Ausland helfen, sich schneller an der Freien Universität zurechtzufinden.

Für fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es das erste Semester an einer deutschen Universität. Die meisten studieren Philologien und kommen aus Spanien, Frankreich oder Osteuropa. Vor allem Seminar- und Hausarbeiten sind Neuland für Veronika. Die lettische Studentin hofft zu erfahren, was man in Deutschland unter dem Begriff Hausarbeit versteht: „Ich weiß gar nicht, warum mein Dozent überhaupt so etwas von mir haben möchte. In Lettland gibt es ganz andere Prüfungsformen.“

„Gerade Studierende, die ohne ein Austauschprogramm wie ERASMUS nach Deutschland kommen und deshalb keine Betreuung erfahren, wollen wir ansprechen", erklärt Nora Müller. Die Studentin der Lateinamerikastudien an der Freien Universität arbeitet als Hilfskraft für das Projekt ISFU. Das steht für „Internationale Studierende an der Freien Universität“ und ist ein Projekt der Studienberatung und Psychologischen Beratung der Hochschule – mit spezieller Ausrichtung auf die Bedürfnisse internationaler Studierender.

Nora hat selbst zwei Semester in Peru verbracht und kann nachempfinden, wie schwer die Studienorganisation in einem fremden Land ist: „Die Studierenden haben viele Fragen. Wir wollen Antworten geben und bei der Organisation helfen.“ Daher erläutert Nora Müller an diesem Abend gemeinsam mit Friederike Dittmann und Sarah Hostmann, welche Fragestellungen für eine Hausarbeit geeignet sind, wie man recherchiert und wie eine Arbeit gegliedert wird. Wie sieht ein Titelblatt aus, lautet eine Frage der Zuhörer, wie zitiert man aus einem Lexikon, eine weitere. Die drei Dozentinnen geben immer wieder Tipps auch aus eigener Erfahrung: „Plant genügend Zeit fürs Korrekturlesen ein.“ Und: „Fangt vor lauter Lektüre nicht zu spät mit dem Schreiben an – macht nicht die gleichen Fehler wie wir.“

Studienberaterin Swantje Winkel koordiniert das Projekt ISFU, das vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen wurde: „Die Veranstaltungen zur ersten Hausarbeit werden sehr gut angenommen, in der Regel kommen zwischen 40 und 120 ausländische Studierende. Bei den Orientierungstagen für internationale Studierende an der Freien Universität erscheinen sogar mehr als 1.500 Studienanfängerinnen und -anfänger.“ Außer den sprachlichen Hürden bestünden für ausländische Studierende schließlich etliche weitere, erklärt Swantje Winkel: „Die Orientierung in einem fremden Studiensystem, das ein hohes Maß an Selbstorganisation verlangt, sowie die deutschen Eigenheiten des wissenschaftlichen Betriebs werfen für Neuankömmlinge viele Fragen auf.“

Am Ende der Veranstaltung meldet sich Veronika: „Ich habe keine Frage, ich möchte mich nur bedanken. Das hätten wir alleine nie verstanden. Ihr habt das toll erklärt.“ Nora, Friederike und Sarah freuen sich über das Feedback. Beim anschließenden Umtrunk, zu dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Akademischen Auslandsamtes der Freien Universität einladen, gehen die Gespräche weiter. Koordinatorin Nora Müller glaubt, dass die Informationsveranstaltung auch für deutsche Studierende interessant wäre: „Für uns war die erste Hausarbeit schließlich auch knifflig – obwohl wir keine Sprachbarriere zu überwinden hatten.“

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