Meine Frau, ihr GARTEN… : Anruf beim Rasendoktor

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Wir haben da eine Problemzone. Sie liegt hinten links, unmittelbar vor dem Schuppen – dort wo Nachbars Erle einen praktisch immerwährenden Schatten wirft. Dort war mal Rasen, jetzt wächst da kein Gras mehr, ist nur noch blanke Erde. Und als es neulich taute, bin ich samt Fahrrad im Morast versunken.

Aber, jetzt geht es los, endlich ist der richtige Zeitpunkt, sich um das Thema Rasen zu kümmern. Hornveilchen, Stiefmütterchen, das ist doch alles bunter Kinderkram für eine Saison, das Stück für 59 Cent. Rasen, das ist was Dauerhaftes, fast wie Bäume pflanzen. Und die Grundlagen, die legt man jetzt.

Ich also in den Baumarkt, Abteilung Pflanzen: „Ich brauche einen Schattenrasen!“ – „Haben Sie schon den Schneeschimmel beseitigt? Danach kalken, vertikutieren, düngen, dann, und zwar erst dann, können Sie über Rasensaat nachdenken.“ Verflixt!

Solchermaßen verunsichert habe ich fachlichen Rat eingeholt und Harald Nonn angerufen, promoviertes Mitglied im Vorstand der Deutschen Rasengesellschaft. Ich hatte Glück, ihn überhaupt zu bekommen, er gibt gerade ein Fortbildungsseminar für Platzwarte. Es geht um die Anlage von Fußballrasen. „Kalken“, sagt Harald Nonn, „ist einer der großen Irrtümer der Rasenpflege.“ Kalk sollte man überhaupt nur geben, wenn man ganz sicher ist, dass der Boden zu sauer ist. Und das ist er hierzulande eher selten der Fall. „Was Sie jetzt geben müssen ist Stickstoff, es ist Düngezeit.“ Jedenfalls da, wo noch Rasen ist, von meiner Problemzone habe ich ihm erst mal nichts erzählt.

Und wann muss ich vertikutieren? Eine von mir besonders gefürchtete, weil außerordentlich schweißtreibende Arbeit. „In drei bis vier Wochen, auf keinen Fall bevor der Rasen nicht zweimal geschnitten wurde, sonst macht man zu viel kaputt.“ Der gerupfte Rasen könne sich noch nicht erholen, in die Löcher könnte sich leicht Moos einnisten.

Das gibt mir Zeit, die richtige Rasensaat auszusuchen. Auch nicht einfach. Es gibt nämlich nur eine einzige Grassorte, die im Schatten gedeiht: Die Lägerrispe (Poa supina). Ein außerordentlich aggressives Kraut, weshalb eine Beimischung von fünf Prozent vollkommen ausreiche, versichert Nonn. Die aber sei unverzichtbar, damit es wirklich auch im Schatten grünt. Poa supina hat nur einen Nachteil, sie ist unglaublich teuer. Weshalb man in den meisten Rasenmischungen jede Menge Weidelgras (Lolium prenne), Wiesenrispe (Poa pratensis) und Rotschwingel (Festuca rubra) findet, aber eben leider keine Poa supina. Das wird dann auf Dauer nichts, sagt der Experte.

Womit wir bei meiner Frau wären. „Was meinst du“, hat sie mich neulich überrascht, „wollen wir das Stück vor dem Schuppen nicht schön pflastern?“ Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir diese Blöße geben soll. Andreas Austilat

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