Meine Frau, ihr GARTEN … : Ausgerechnet Bananen!

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Ich mag unser Haus. Jedenfalls im Sommer. Es ist nicht besonders groß, hat jedoch eine Terrasse. Im Winter kann diese Terrasse allerdings ein ziemlich deprimierender Ort sein. Jetzt zum Beispiel, jetzt hat sie den Charme eines Flüchtlingslagers. Dort spielt sich ein eiskalter Überlebenskampf ab.

Meine Frau ist nämlich in die Wintersaison gestartet. Ein wenig spät, wie ich finde, aber ich sage dazu lieber nichts. Die Stimmung ist verbissen geworden, seit das Thermometer unter null bleibt.

Auf der Terrasse stehen sie also und drängeln sich eng an die Hauswand. Die beiden Bananen zum Beispiel, ihre Blätter sind schon ganz braun. Das muss so sein, hat meine Frau behauptet, die Blätter haben eh keine Chance, die macht man ab. Es kommt auf den Stamm an. Der trocknet im Winter ein, doch wenn man ihn gut isoliert hat, mit Stroh oder Ähnlichem, überlebt innen ein grüner Kern und treibt im nächsten Frühjahr wieder aus. Wir werden ja sehen.

Daneben duckt sich der kleine Pfirsichbaum. Er war noch zu jung, um ihn draußen auszuwildern, also muss er sein Glück im Topf versuchen und hoffen, dass das Haus ein wenig Wärme abgibt. Was es leider tut, wir sollten dringend über eine bessere Isolierung nachdenken. Der Pfirsich steckt in einem Jutesack. Ich hätte ihn ja gern reingeholt, nur, auf Dauer ist das keine Lösung. Schließlich soll der Pfirsich eines Tages wie ein richtiger Baum draußen im Garten Wurzeln schlagen. Dann muss er sehen, wie er da klarkommt.

Schließlich wäre da noch der Zwergflieder. Auch für ihn ist es der erste Winter. Zwergflieder sollen ja eigentlich Temperaturen bis minus 16 Grad wegstecken. Ob das auch gilt, wenn die Frostperiode so früh beginnt wie in diesem Jahr? Jedenfalls hat unser Zwergflieder so eine Art Filzmantel um die Hüften. Wird interessant sein, was von ihm noch übrig ist, wenn im April die Hülle fällt.

Am ärgsten wird es wieder für Trachycarpus fortunei, die Hanfpalme. Die steht fest eingepflanzt ein bisschen weiter weg vom Haus. Trachycarpus fortunei hat den letzten Winter mit Ach und Krach überstanden. Zwar ist ihr Kern noch grün, aber seit dem Frühjahr ist sie keinen Zentimeter mehr gewachsen. Trotzdem bemüht sich meine Frau rührend um den kümmerlichen Wedel, hat ihm wieder diese seltsame Mütze übergezogen, damit von oben kein Schnee reinfällt, außerdem trägt er ein gefüttertes Jutekorsett.

Es heißt, Hanfpalmen könnten nach einem Winter wie dem letzten in eine Art Schockstarre verfallen. Wenn der nächste dann ein wenig milder ausfällt, hätten sie die Chance, sich wieder zu erholen. Nun, im Moment würde ich keinen Pfifferling auf Trachycarpus setzen. Meine Frau ist da anderer Meinung. Sie sagt, „auf einen frühen Frost folgt ein milder Winter“. Soll eine Bauernregel sein. Ich glaube, die hat sie sich ausgedacht. Andreas Austilat

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