Meine Frau, ihr GARTEN … : Göttliche Rosen, mickrige Birnen

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Meine Frau ist ein wenig missgelaunt. Es läuft irgendwie nicht richtig bei ihr im Garten. Dabei fing alles so schön an. Die Kirsche blühte prächtig, die Pflaume auch, der Flieder nahm einem fast den Atem, zuletzt blühte der Rhododendron wie lange nicht. Wo aber bleibt die Taglilie? Anderswo haben wir sie schon gesehen. Was ist mit dem Pfeifenstrauch? Oder mit der Pfingstrose? Nur zwei popelige Blüten zeigt sie dieses Jahr. „Ausgelaugt“, hat meine Frau gesagt, „mein Garten ist ausgelaugt“.

„Sei doch nicht so streng“, versuchte ich sie zu beruhigen, „grün ist doch auch schön“. Und überhaupt, bin ich vielleicht immer in Bestform? Meine Frau guckte komisch. „Vielleicht hast du dem Garten zu viel zugemutet, sind schon ziemlich viele Pflanzen drin,“ hakte ich nach. Sie guckte noch viel komischer. Ich entschloss mich, selbst nach dem Rechten zu sehen.

Meine beiden kleinen Birnbäume, die machen keine Anstalten, auch nur eine Frucht auszubilden. Vielleicht sind sie noch zu jung für so etwas? Oder hatten sie nicht genug Wasser? Dabei hatte ich mich schon auf die Ernte gefreut, eigenes Obst, was das wert ist, sieht man gerade jetzt ganz besonders. Man stelle sich vor, wir hätten eigenes Gemüse, da wären wir heute doch auf der sicheren Seite.

Mir fiel wieder ein, wie ich im Februar unseren zweiten Hasen zu Grabe getragen hatte. Beim Ausheben der Grube konnte man sehen, dass die Mutterbodenschicht schon sehr dünn ist. „Schatz“, sagte ich also, „vielleicht hast du recht, von nichts kommt nichts.“ Seitdem haben wir vier Zentner Biokompost verstreut, garantiert torffrei. Ich will ja nicht, dass für meine Birne Moore zerstört werden und auch nur eine Kröte stirbt.

Leider bin ich mir keineswegs sicher, dass es wirklich am Boden liegt. Unsere Rosen zum Beispiel, einige blühen schon, die anderen sind voller Knospen. Vorneweg die älteste, „Queen Elizabeth“, dabei haben wir der noch nie besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die wächst immer einfach so.

„Queen Elizabeth“ ist eine echte Erfolgsrose. Zartrosa wurde sie 1954 von dem Amerikaner Walter Lammerts gezüchtet und von der World’s Rose Federation 25 Jahre später zur Weltrose erklärt. Lammerts selbst war nicht nur Rosenzüchter,sondern auch Gründungsmitglied der „Creation Research Society“, eines eher umstrittenen, manche sagen obskuren Zusammenschlusses bibelfester Wissenschaftler, die die Evolutionstheorie ablehnen. Stattdessen glauben sie felsenfest, dass alle Schöpfung so wie in der Bibel beschrieben göttlichen Ursprungs ist.

Nun, mag sein, dass Lammerts seine Rose für göttlich hielt. Und ich bin ja auch geneigt, an ein Wunder zu glauben, wenn die „Queen Elizabeth“ wieder zu großer Form aufläuft, während ihre Nachbarn vor sich hin mickern. Aber eigentlich war sie doch Lammerts persönliches Werk. Andreas Austilat

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