Meine Frau, ihr GARTEN… : Neue Erden braucht das Land

Neulich beobachtete ich unsere Nachbarn dabei, wie sie mehrere Säcke in ihr Haus schleppten. Klingt konspirativ, ist es aber nicht. Gartenbesitzer schleppen immer irgendetwas. Erde zum Beispiel. Aus irgendeinem Grund braucht meine Frau ständig neue Erde. Ich habe mich schon gefragt, wie das denn sein kann, die Erde verschwindet doch nicht. Tut sie aber eben doch, sie hängt an den Unkrautwurzeln, wird mit dem Laub weggeharkt, vom Regen weggewaschen – unser Grundstück ist ganz leicht abschüssig. Wenn meine Frau nicht ab und zu neue Erde besorgen würde, vermutlich würde der Garten irgendwann zur Grube.

Oder Steine. Meine Frau liebt Steine. Sie hat sich schon mal welche zum Geburtstag gewünscht. Keine Edelsteine, sondern graue aus Granit, oder Ziegel. Damit baut sie kleine Mäuerchen, um die Erde am Verschwinden zu hindern. Manchmal pflastert sie auch, den Platz vor dem Schuppen zum Beispiel. Ich nenne ihn den Schweriner Platz, weil der Ziegel „Schwerin“ heißt. Muss zugeben, dass das Pflaster Vorteile hat. Man kann die Fahrräder gut darauf abstellen, und der Grill steht auch besser.

Die Nachbarn schleppten aber weder Steine noch Erde, sie brachten Rindenmulch, und zwar in rauen Mengen. Früher haben wir auch eifrig gemulcht. Ich mochte den Geruch ganz gerne. Da der Mulch ja weitgehend aus Baumrinde von der Kiefer bestand, roch es dann bei uns wie im Wald. Außerdem soll er angeblich unkrautverhütend wirken, und im Winter ist er eine Art Frostschutz für die Wurzeln.

Mulch hat allerdings auch seine Nachteile. Ewig liegt überall die Rinde rum, außerdem macht das Zeug den Boden sauer. Nicht jede unserer Pflanzen weiß Waldboden zu schätzen. Eigentlich nur der Rhododendron. Es gibt Experten, die behaupten, dass das Mulchen beim Rhodendron zu einer üppigeren Blüte führt. Vielleicht liegt das aber auch am Dünger, den man dann aufbringen muss. Über den Mulch machen sich nämlich, kaum dass er liegt, Bodenorganismen her, und die verbrauchen bei ihrer Arbeit Stickstoff. Damit der nicht knapp wird, führt man zum Beispiel Hornspäne zu.

Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass wir nicht mehr mulchen. Warum eigentlich, habe ich meine Frau gefragt? Weil sie inzwischen derart viele Stauden und was weiß ich noch gepflanzt hat, dass man den Boden dazwischen sowieso nicht mehr sieht. Als sie neulich die Hecke gestutzt hat, hatte sie schon Mühe, das heruntergefallene Schnittgut aus dem Durcheinander rauszupflücken. Weshalb sie es einfach liegen gelassen hat. Noch.

Wenn der September erst einmal vorbei ist und der Sommer verblüht, wenn sich die jetzt noch grünen Stauden braun färben, geht da draußen auch bei uns das große Aufräumen los, das Runterschneiden, Einpacken, Reinbringen. Schade eigentlich.Andreas Austilat

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