Meine Frau, ihr GARTEN… : Süße Frucht lohnt schwere Arbeit

Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen sind die grünen Bohnen, die meine Mutter selbst gezogen hatte. Selten etwas Köstlicheres gegessen. Vielleicht noch die Pfirsiche aus unserem Garten. Die Kirschen mochte ich natürlich auch sehr, und die Haselnüsse, die am Strauch neben der Mülltonne wuchsen. Wenn ich es mir recht überlege, schmeckte alles großartig, was wir selbst ernteten. Genau das ist ja der Grund, warum ich endlich irgendetwas Essbares anbauen will.

Zum Beispiel Erdbeeren. Die besten Erdbeeren, die es gibt, sind Walderdbeeren. Nichts, was man in der Obst- und Gemüseabteilung kaufen kann, kommt dem Aroma von Walderdbeeren auch nur nahe. Leider sind die Früchte winzig, was sie natürlich umso kostbarer macht.

Wir hatten mal welche im Garten. Irgendwann habe ich dann gelesen, wie sich Walderdbeeren vermehren: Sie lassen sich von Tieren essen, die dann diese kleinen Körnchen, die auf den Erdbeeren drauf sind, irgendwo wieder ausscheiden. Natürlich fiel mir sofort der Fuchs ein, der sich manchmal bei uns herumtreibt. Und ich dachte an den Fuchsbandwurm, dem man nachsagt, im menschlichen Körper furchtbare Verheerungen anzurichten. Manche Tricks der Natur will man gar nicht wissen.

Aber jetzt haben wir ja den englischen „Vegtrug“, ein hölzernes Hochbeet, in dem die Pflanzen ungefähr einen Meter über dem Boden gedeihen. Kein Fuchs wird jemals in diesem Beet herumschnüffeln, geschweige denn irgendetwas ausscheiden.

In diesem Trog reift unsere Erdbeerernte heran, schon Mitte Mai könnte es so weit sein. Und dann immer so weiter, bis in den Oktober, wir haben uns nämlich für die immertragende Rosana entschieden, eine sogenannte Monatserdbeere. Auf der Samentüte hieß es, Rosana schmecke nach Walderdbeeren. Meine Frau, die sonst immer nur für Blumen ist, war diesmal schnell überzeugt. Naschbeete, bei denen es nicht nur was zu gucken, sondern auch was zu essen gibt, liegen ja ganz stark im Trend – steht auch in ihrer Gartenzeitschrift.

Um das ganze Abenteuer zu erleben, haben wir Rosana selbst angesät. Leider keimte da rein gar nichts. Also kauften wir fertige kleine Rosana-Pflänzchen. Die wurden vom selben Züchter angeboten. Klingt wie ein interessantes Geschäftsmodell. Stroh brauchen wir auch noch, die Früchtchen sollen nicht auf dem feuchten Boden liegen. Damit steht fest, dass selbst bei guter Ernte die eigenen Erdbeeren erheblich teurer werden als solche aus dem Laden. Aber darauf kommt es nun wirklich nicht an. Schließlich geht es hier um Geschmack. Und um meine Kindheit natürlich auch.Andreas Austilat

Der Autor liest bei „Die schöne Gartenparty“ am 12. Mai im Botanischen Garten (ca. 13. 30 Uhr am Rosen-Pavillon), Infos zur Party: www.schoeneparty.de/garten

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