Meine Frau, ihr Garten ... und ich : Kampf um den Platz an der Sonne

Neulich konnte ich beobachten, wie der Paketbote ein gewaltiges, zylindrisches Etwas bei einem unserer Nachbarn nach hintenraus auslieferte. Neugierig geworden spazierte ich wie zufällig zum Zaun und fragte, was das denn sei.

Grafik: Tsp

„Eine Zisterne“, antwortete der Nachbar, den ich hier aus Datenschutzgründen einfach „Eugen“ nenne. Damit werde er in Zukunft das Regenwasser auffangen.

Und dann erläuterte mir Eugen, wie er die Dachrinnengemeinschaft mit seinem Nachbarn aufgekündigt habe, damit das bislang gemeinsame Fallrohr nicht mehr nur auf die andere Seite des Zaunes, sondern auch in seine Zisterne führen werde. Nimmt man nur mal an, es würde weiter regnen wie im Juli, werde er wahrscheinlich nicht mehr sprengen müssen. Wo doch Wasser so teuer ist. Und dabei klopfte er gegen den gewaltigen Zylinder.

Hm, da ist was dran. Wenn man mal davon absieht, dass wir auch nicht hätten sprengen müssen, weil es ja dauernd geregnet hatte. „Habt ihr aber“, sagte Eugen, „ihr wart ja im Urlaub und der Sprenger lief jeden Tag, auch im Regen.“ Und dabei grinste er.

Eine ganze Menge Experten gehen davon aus, dass künftige Kriege ums Wasser geführt werden. Ich fragte mich kurz, ob Eugen seine Zisterne im Ernstfall mit Gewalt verteidigen würde, verwarf den Gedanken aber rasch. So weit ist es bei uns noch lange nicht. Ein anderes Problem erscheint mir dagegen drängender: der Kampf um den Platz an der Sonne.

Unser Garten ist vergleichsweise schmal. Da ist es praktisch unmöglich, dass alle Teile gleichermaßen von der Sonne beschienen werden. Unsere Nachbarn zur Linken haben zum Beispiel eine Holzkonstruktion errichtet, an der sich eine Klematis emporrankt. Die war schon mal so groß, dass sie bei uns den Himmel verdunkelte. „Blüht aber ganz hübsch“, versuchte ich meine Frau zu besänftigen. Es half nichts, sie schickte mich rüber, um das zu regeln. Tatsächlich hatten die Nachbarn ein Einsehen, schnitten die Klematis dabei allerdings so sehr runter, dass sie gleich ganz verkümmerte.

Nun ist sie wieder da und wuchert gewaltig. Meine Frau hat versucht, dagegenzuhalten, indem sie auf unserer Westseite überwiegend solche Pflanzen setzte, die gern Schatten haben und trotzdem blühen. Der Rhododendron zum Beispiel, der blüht ja auch im Wald. Im Moment gedeiht die Astilbe ganz prächtig, und sie versteht sich gut mit der Funkie, ebenfalls ein Schattenblüher.Ein bisschen sieht die Astilbe ja aus wie lilafarbenes Unkraut, aber ich mag sie. Francis Hamilton-Buchanan, ein englischer Schiffsarzt, hat sie für Europa entdeckt, als er um 1810 Nepal bereiste. Was muss das für ein Abenteuer gewesen sein, was ist das für ein langer Weg bis in unseren Garten.

Eigentlich ist also alles gut jetzt. Meine Frau möchte trotzdem , dass ich noch mal rübergehe und das mit der Klematis anspreche.

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