Meine Frau, ihr GARTEN ... und ich : Schusselige Eichhörnchen

Meine Frau hat die Hecke geschnitten. Wie unangenehm.

Andreas Austilat

Meine Frau hat die Hecke geschnitten. Wie unangenehm, es gibt nämlich eine unausgesprochene Verabredung zwischen uns, dass die Hecke meine Angelegenheit sei. Aber ich bin einfach nicht dazu gekommen. Jetzt hat sie es getan. War höchste Zeit, hat sie gesagt. Tatsächlich war die Hecke ein bisschen aus der Form. Nicht zuletzt, weil mitten drin eine Eibe wächst, die immer weiter rausragt.

Eigentlich wachsen Eiben ja extrem langsam, und man hat alle Zeit der Welt, sie zu beseitigen. Trotzdem sieht die hier schon recht kräftig aus. Eiben sind also eine Art lebender Vorwurf für nachlässige Gärtner. Im Vorgarten haben wir sogar eine, die ist schon anderthalb Meter hoch. Weiß der Himmel, wie die dahin kommt, ich habe sie jedenfalls nicht gepflanzt. Eiben gehören in den Wald, nicht in den Garten.

Ich habe allerdings einen Verdacht. Neulich sah ich nämlich zwei Eichhörnchen von Nachbars Erle rüber zu Nachbars Kiefer rasen. Sie waren noch recht klein, wahrscheinlich Geschwister. Paare gehen sich eher aus dem Weg. Der Hund hat jedenfalls gebellt wie toll und versucht, den Baum hochzuklettern. Bis auf anderthalb Meter hat er es geschafft. Selbst wenn das jetzt dumm klingt, er wollte bestimmt nur spielen.

Anderthalb Meter klettern sind für einen kleinen Hund eine Menge. Als Spielgefährte hat er sich für Eichhörnchen damit noch nicht qualifiziert. Die würden darüber lachen – wenn sie die Zeit dazu hätten. Haben sie aber nicht. Sie haben im Herbst gut damit zu tun, sich einen Vorrat anzulegen.

Womit wir bei den Eibensamen wären. Kein Mensch verträgt die. Angeblich sollen sie sogar ein Pferd töten können. Einem Eichhörnchen können sie dagegen gar nichts anhaben. Im Gegenteil, sie schätzen die Samenkapseln nicht geringer als Eicheln oder Haselnüsse.

Bekanntlich sammeln sie die in irgendeinem Erdversteck und bedienen sich daraus im Winter. Weil aber Eichhörnchen ihren Vorrat manchmal nicht mehr wiederfinden, wächst dann dort eine kleine Eiche oder eben eine Eibe. Was im Wald sinnnvoll sein mag, im Garten hat meine Frau ihre eigenen Vorstellungen davon, was wo wachsen soll. Da lässt sie sich auch von einem Eichhörnchen ungern etwas vormachen.

Übrigens handelte es sich bei den Tieren, die ich beobachtet habe, um die rotbraune europäische Version der Spezies. Und die wird zunehmend von grauen, eingewanderten Eichhörnchen verdrängt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die grauen eine ungeheure Trefferquote beim Wiederauffinden ihrer Wintervorräte haben. Die rotbraunen sind dafür schlicht zu schusselig.

In meinen Augen macht sie das durchaus sympathisch. Andreas Austilat

„Der Garten“ erscheint im Wechsel mit der Kolumne „Unter Handwerkern“

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