Zeitung Heute : Meines Bruders Müll

Von Martin Kilian

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Statt vor dem Fernseher zu verblöden, sollten Sie lieber mal einen Blick auf Ihren Bruder werfen. Wissen Sie, was er gerade treibt? Ob er Sie blamiert? Und warum ich frage? Der arme George W. Bush! Nächste Woche gießt die amerikanische StarBiografin Kitty Kelley – sie vermüllte bereits Frank Sinatra, Nancy Reagan sowie die britische Königsfamilie – einen Kübel voller Jauche in Form einer epischen Skandalchronik über ihn und dem Bush-Klan aus.

Keineswegs steht dieses üble Machwerk in der Tradition der „Buddenbrooks“; es ist wesentlich härter, voller Sex und Drogen. Kelleys Buch „scheint voll vom selben Müll zu sein, der schon vor Jahren diskreditiert wurde“, attackierte – präventiv im Sinne der Bush-Doktrin – das Weiße Haus.

Ich hingegen finde, es ist neuer Müll drin. Zum Beispiel, dass George W. Bush in Camp David „Koks geschnupft hat, als sein Vater Präsident war – und nicht nur einmal“. Das behauptet des Präsidenten Ex-Schwägerin Sharon Bush, womit wir beim Bruder wären. Denn schuld an dieser erstaunlichen Enthüllung, die Sharon Bush Frau Kelley steckte, ist Georges Bruder Neil. Ein Bruder aus der Hölle ist er, der sich von Sharon scheiden ließ, nachdem er ihr per E-Mail mitgeteilt hatte, sie nicht mehr zu lieben. Und nun ist Zahltag. Heimzahltag.

Was einmal mehr beweist, dass Brüder für amerikanische Präsidenten gemeinhin Katastrophen sind. Wie etwa Sam Houston Johnson, Lyndons Bruder, der trank und dummes Zeug redete, bis ihm Lyndon seine Leibwächter auf den Hals hetzte. Oder Don Nixon, der eine Restaurantkette eröffnen und darin „Nixonburger“ verkaufen wollte. Jimmy Carters Bruder Billy trank Hektoliter Bier und ließ sich von Muammar al Gaddafi 200 000 Dollar schenken. Einfach so. Roger Clinton hingegen bevorzugte Koks und machte Furore in einem Film namens „Kürbiskopf“.

Und nun also Neil Bush. Dabei war Sharon doch eine „liebliche junge Lehrerin“, so Mutter Barbara in ihren Memoiren. Aber das war 1980, als Neil sich gerade in Sharon verliebt hatte. 2002 erfrischte sich Neil mit einer jüngeren Frau, worauf am Horizont eine säurehaltige Scheidung aufzog. Unter anderem kam dabei heraus, dass sich Neil bei diversen Geschäftsreisen in Asien mit unentgeltlichem außerehelichen Geschlechtsverkehr vergnügt hatte.

So wundersam war dieser Sex, dass Sharons Scheidungsanwalt entgeistert sagte: „Herr Bush, Sie müssen doch zugeben, dass es für einen Mann ziemlich bemerkenswert ist, einfach so zur Tür seines Hotelzimmers zu gehen und die Tür zu öffnen, und da steht eine Frau, und man hat Sex mit ihr.“ Jawohl, „ziemlich ungewöhnlich“ sei das gewesen, gestand Neil ein. „Ziemlich ungewöhnlich?“ Das nennt man wohl Understatement.

Aber wie auch immer: Neil Bush zeigte sich extrem knauserig bei der Scheidung; lumpige 1000 Dollar pro Monat bot er Sharon an. Die drohte deshalb, in einem Buch über die Bushs auszupacken. Und wurde prompt an Kitty Kelley verwiesen, die bereits dabei war, ein Buch über die Familie zu schreiben. So traf man sich also zum Lunch in New York. „Sie sagte, als sie Neil gesagt habe, sie brauche mehr Geld, habe Neil geantwortet, sie solle doch wieder heiraten“, berichtet Kitty Kelley. Und dann dieser Hammer: „Sharon schluchzte, als sie mir sagte, ,Kitty, ich werde doch meinen Körper nicht einfach so verkaufen“.

Da haben Sie es: Die Schwägerin des Präsidenten wird aufgefordert, ihren Körper zu verkaufen, obwohl die Familie des Präsidenten ein derart großes Vermögen hat, dass zur Eröffnung eines neuen Kontos Sattelzüge vonnöten sind, um das Geld der Bushs zur Bank zu transportieren. Nächste Woche ist also in amerikanischen Buchhandlungen Heimzahltag für diesen Frevel. Der Präsident muss leiden, weil seine Ex-Schwägerin im Alter von 51 Jahren von ihrem Ex-Gatten zur Veräußerung ihres Körpers gedrängt wurde. Scheußlich!

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