Mein KUNSTSTÜCK : Anarchie auf dem Acker

anna pataczek

Weltweit sind über 16 000 Tierarten vom Aussterben bedroht – die Benzinkühe nicht mitgerechnet. Sie sind Überbleibsel einer vergangenen Zeit, einst geboren aus der Not heraus. Benzinkühe, so nannte man in der DDR Traktoren der Marke Eigenbau. Die schweren Maschinen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften waren zu wuchtig, um ein Stückchen Acker zu bestellen. Also schlachteten Bauern Trabis und Militärfahrzeuge aus, montierten Räder von russischen Kanonen ab und schraubten sich so wendiges Gerät zusammen. Heute wird damit kein Rübchen mehr eingefahren. Den EU-Normen halten diese Traktoren nicht mehr stand. Aber es gibt sie noch immer: Die beiden Fotografen Bernd Hiepe und Erasmus Schröter haben einige seltene Exemplare aufgestöbert und in Szene gesetzt. Unter dem Titel Eigensinn mit Luntenzündung stellt das Deutsche Technikmuseum vierzig Fotografien aus. Stolz tuckern die Bauern auf ihren Daniel-Düsentrieb-Öfen über das Land, an ihrer Seite wacht ein Hund oder ein Huhn. Kuriose Porträts sind das, Zeitdokumente der Mangelwirtschaft – und ein Tribut an anarchischen Erfindergeist.

Deutsches Technikmuseum, bis So 28.6., Di-Fr 9-17.30 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr

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