Mein KUNSTSTÜCK : Augen auf!

Christina Tilmann

Auch in Berlin gibt es eine, direkt hinter dem Stadthaus an der Parochialkirche. Diese „Jüdenstraße“ war der Ausgangspunkt einer groß angelegten Recherche: Drei Jahre lang reiste die britische Künstlerin Susan Hiller durch Deutschland, auf der Suche nach Straßen, in denen das „J“-Wort vorkommt. Insgesamt 303 Straßen hat sie gefunden, mit Namen wie „Judenchaussee“, „Untere Judengasse“, „Judengraben“, „Am Judenfriedhof“, „Judenbuckelweg“ oder „Am Judenstein“. Ihr J. Street Project besteht aus Landkarten, einem Video und über 300 Fotografien – lakonische Aufnahmen von Straßenbildern, deren metaphorische Bedeutung automatisch mitschwingt. Da liegt der Schnee auf Schildern und verdeckt sie fast, oder die Sonne geht unter, die Nacht beginnt, über anderen Schildern weisen Wegweiser zur Autobahn, Straßen sind zugewachsen, Häuser verfallen. Das war einmal: selbstverständliche Präsenz, aber auch schon damals Ausgrenzung, Ghettoisierung, Fremde. All das muss Susan Hiller nicht erklären. Die Bilder sprechen für sich.

Kunst-Raum im Deutschen Bundestag, Marie-Elisabeth-

Lüders-Haus, Zugang über die Spree-Uferpromenade gegenüber dem Reichstagsgebäude, bis So 11.1., Di-So 11-17 Uhr

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!