Mein KUNSTSTÜCK : Bitte mal schön langsam

Annabelle Seubert

Alle haben sie was miteinander. Der Kran mit der Siegessäule, der Reichstag mit dem Fernsehturm, der Pariser Platz mit dem Potsdamer Platz. Alle ragen ineinander, übereinander, auseinander. Alle verbinden sich, mischen sich, trennen sich. Frank Rödel schüttet so viel Farbe auf seine Leinwand, verwischt so viele Pinselstriche auf seiner Collage, bis er sie einfängt. Die Rastlosigkeit Berlins. Den flüchtigen Moment, in dem die Hauptstadt aussieht, wie sie aussieht – bevor sie sich verändert. Den Blick des Touristen, der nur an ein paar Sehenswürdigkeiten hängen bleibt. Den Blick des Einwohners, der kaum noch daran hängen bleibt.

Rapid Eye Movement gibt es aber auch in Frankfurt, New York und Tokyo. Rödels Stadtlandschaften im Ausstellungsraum Kunstallianz 1 beweisen das. Bei der Menge an Opern, Freiheitsstatuen und Tempeln wird einem ganz schwindelig. Also schön langsam zu den ruhigen Fotografien, mit denen der Künstler von seinen Reisen in die Wüste und die Arktis erzählt. Dunkles Meer. Helle Eisberge. Tiefblaue Seen. Weißer Sand. Da sieht man gerne länger hin. Was war an Berlin noch mal so toll?

Kunstallianz 1, An den Treptowers 3, Treptow, bis Mi 31.3., Di-So 11-18 Uhr

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