Mein KUNSTSTÜCK : Das Gleißen der Höhe

Christiane Meixner

Auf der Website sitzt ein Auge. Den Blick hält es starr geradeaus, vom Weiß ist unnormal viel zu sehen und die Pupille zweigeteilt. Also Schock, Surreales, vielleicht ein bisschen Pornografie – das entspricht ungefähr den Erwartungen, die Dirk Bell für gewöhnlich weckt und die man nach diesem virtuellen Entree auch von seiner Ausstellung im Schinkel Pavillon hat. Doch dort ist dann alles anders: Bell, als Maler zuletzt sehr erfolgreich, hat auf den Ort reagiert und eine Installation geschaffen, die mit dem gläsernen Raum und den Lichtverhältnissen spielt.

Vor dem kleinen, achteckigen Saal wartet der erste Teil der Arbeit „Li’ve is Li’ve“. Vier raumhohe, aus Stahl geschweißte Buchstaben. Dass sie das Wort „Free“ bilden, wird nicht unbedingt sichtbar. Aber die Freiheit, die der Künstler meint, erschließt sich gleich im nächsten Raum – in seiner gleißenden Deckenarbeit aus Neonröhren, die nach einem komplexen Plan an- und ausgehen, strenge Muster aus purem Licht bilden und von OP-Atmosphäre bis zu zarter Dämmerung alles ausschöpfen. Eine Arbeit, so stählern und immateriell, dass man sie unbedingt sehen sollte, bevor das Neonlicht ausgeht.

Schinkel Pavillon,

Oberwallstr. 1, bis So 1.11., Do-So 10-18 Uhr

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