Mein KUNSTSTÜCK : Juwelen aus Keramik

Anna Pataczek

Ein Konditor gründete vor hundert Jahren eine Kunsttöpferei in der Lützowstraße. Schnell wurde das Pfauenaugenmuster auf den Vasen und Krügen bekannt, das sogenannte Schwämmeldekor. Das Keramik-Museum zeigt in der kleinen, liebevollen Schau Kunsttöpferei Friedrich Festersen (Berlin 1909-1922) nicht nur, dass in dieser Werkstatt weitaus Vielfältigeres produziert wurde als das Pfauenauge, sondern erzählt auch von dem bis dato weitgehend unbekannten Leben des Keramikers. Und das ist nicht nur etwas für Liebhaber der Kunsttöpferei, sondern ein Stück deutscher Geschichte.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, ließ sich Festersen freiwillig zum Krankenpfleger ausbilden. Nur wenige Monate nach Dienstantritt verstarb er jedoch im Lazarett. Seine Frau Sonja, eine Jüdin aus Minsk, führte die Töpferei bis etwa 1926 weiter und starb 1939. Sohn Hans, Halbjude, homosexuell und behindert, wurde von den Nazis in der Mordnacht von Plötzensee gehenkt. Verdienstvoll, dass das Keramik-Museum diese Berliner Biografie ausgegraben hat. Kleine Juwelen können manchmal auch aus Keramik sein.

Keramik-Museum Berlin (KMB), Schustehrusstraße 13, bis Mo 1.6., Sa/So/Mo 13-17 Uhr

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