Mein KUNSTSTÜCK : Papierbäume im Neonlicht

Jenny Becker

Eine paar Menschen stehen plaudernd unter einem Baum. Mitten in der Griechischen Kulturstiftung. Fast unverschämt zeitentrückt sehen sie aus, der Baum macht sie zu Verbündeten seiner surrealen Welt. Er scheint Kinderträumen entsprungen. Wie mit bunten Wachsstiften gemalt, die Farben zu geschwungenen Formen gekämmt. Doch die Skulptur besteht aus Papier. Der griechischstämmige Künstler Pavlos verwendet schlecht gedruckte Plakate – Druckereiüberschuss. In lange Streifen gerissen, arrangiert er sie zu dichten Reliefs oder gar lebensgroßen Bäumen. Die wabenartige Struktur, die an bunte Lampions denken lässt, wird mit Plexiglas in Form gehalten. Ein ganzer Raum ist diesen raffinierten Werken gewidmet.

Fünf namhafte griechische Künstler sind in der Gemeinschaftsausstellung zu sehen: Chrysa, Kaniaris, Kounellis, Samaras und Pavlos. In den sechziger bis achtziger Jahren waren sie auf der Documenta in Kassel oder der Biennale Venedig vertreten. Die Neon-Installation von Chrysa, der einzigen Frau im Bunde, taucht die stuckbesetzten Räume in kühles Blau. Ein schöner Kontrast zu der verspielten Baumkrone nebenan.

Griechische Kulturstiftung, Wittenbergplatz 3a, bis Fr 26.2., Mo-Fr 10-16 Uhr

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