Mein KUNSTSTÜCK : Schön kaputt

Annabelle Seubert

Geschmeidig ihr Körper. Glatt ihre Oberfläche. Grazil ihr Fall. Selten geht etwas so schön kaputt! Der spanische Künstler José Noguero hat die Skulptur von Georg Kolbes „Tänzerinnenbrunnen“ in mehreren Gipsgüssen nachmodelliert. Um sie daraufhin zu zerstören und dabei zu filmen. Das Ergebnis wird auf den Boden der Kunstkammer im Georg-Kolbe-Museum projiziert: Die weiße Dame stürzt. Langsam, unerträglich langsam fliegt sie auf uns zu, nähert sich der Glasplatte, die den steril anmutenden Raum begrenzt. Noch ein paar Millimeter, dann wird die Figur auf dem harten Boden aufschlagen. Zerfetzt. Plötzlich geht alles ganz schnell, ein stählern klingender Aufprall, schon fliegen Arme und Beine durch die Luft, fehlen dem Kopf die Augen. Die Frau ist tot. Für einen Moment. Noguero, seit über zehn Jahren in Berlin, lässt sein Kunstwerk nicht einfach davonkommen, ohne es symbolisch aufzuladen und ihm Aussagekraft anzuhängen. Er spielt mit dem Wörtchen Reinkarnation. Und flott fügen sich die Glieder wieder zum Ganzen, sitzt die Nase wieder an der richtigen Stelle, geht das Sterben von vorne los.

Georg-Kolbe-Museum,

Sensburger Allee 25,

Charlottenburg, bis So 25.4., Di-So 10-18 Uhr

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