Mein KUNSTSTÜCK : Strudel und Striche

Anna Pataczek

Es gab im Physikunterricht auch Momente erhabener Schönheit. Als der Lehrer behutsam Metallspäne ausschüttete und auf dem Tisch verteilte. Er legte einen Magneten mitten in diese Unordnung, und die Teilchen begannen Muster zu bilden. Bei Julie August in der Akazienstraße 30 im zweiten Stock liegen keine Metallspäne herum, dafür hängen die Tuschezeichnungen von Patrick Gabler an den Wänden. Wo man nur hinblickt: Kreise. Nichts als Kreise? Dann bitte jetzt nähertreten. Denn die schwarzen Striche, mit denen Gabler die wohlgezirkelten Flächen füllt, streben auseinander. An anderen Stellen kräuseln und verdichten sie sich. So, als hätte Gabler einen Magneten hineingehalten, nach dem sich die mal fedrig hingehauchten, mal kräftig hingebürsteten Strukturen sortieren. Tausende Striche sind auf Wanderschaft, fügen sich zu Bergen, Tälern, Wellen. Oder schwirren lauter Vögel durcheinander? Wer bei Julie August klingelt, geht doppelt auf Entdeckungsreise: Erst staunt der Besucher über ihre Galerie 18m, die Privatwohnung und Ausstellungsraum in einem ist. Dann schickt der Künstler den Betrachter in seinen Bildern auf Wanderschaft.

18m Galerie für Zahlenwerte, Akazienstr. 30, bis Mo 9.3., nach Vereinb.: www.18m-galerie.de

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