Mein KUNSTSTÜCK : Vögel, gebündelt

Anna Pataczek

Der Vogelkundler Andreas Reischek hatte, als er Ende des 19. Jahrhunderts von seinen Neuseelandreisen kam, 16 000 abgeschossene Vögel im Gepäck. Einige wurden im Naturhistorischen Museum in Wien auf Baumstümpfen und in künstlichen Landschaften in Szene gesetzt. Der Rest wanderte ins Kellerarchiv, fein-säuberlich zusammengeklappt in Schubladen. Diese hat die Berliner Fotografin Verena Franke nun aufgezogen und die schillernd morbiden Schätzen in ihrem Projekt Dead but alive dokumentiert. Die Ausstellung im Familiengarten ist der Startschuss für ein groß angelegtes Vorhaben. Franke möchte die verborgenen Archive weiterer Museen fotografieren, neben London und Leiden auch die Vogelsammlung des Berliner Naturkundemuseums. Franke bildet die Objekte in einer Aufsicht auf schwarzem Hintergrund ab. Und doch sind sie mehr als Abbildungen aus dem Naturkundebuch: Eine der Fotografien zeigt einen Silberreiher. Die Wissenschaftler haben seinen langen Hals und die Beine platzsparend an den Körper geschnürt. Bei Franke bekommt das kompakte Bündel einen neuen skulpturalen Wert, grausam und schön zugleich.

Dead but alive, Familiengarten, Oranienstr. 34, bis Mi 18.2., Mo-Fr 10-18 Uhr

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