Mein KUNSTSTÜCK : Wale im Wald

Anna Pataczek

Alles steht plötzlich im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise. Jeder Text fängt so an. Sollte Sie das schon ein bisschen nerven, entschuldige ich mich hiermit. Aber in diesem Fall geht es nun wirklich nicht anders. Oliver Specht macht Abwrack-Kunst. Auf Autofriedhöfen in Europa und Amerika spürt er verlassene Rostlauben auf. Die Orte sind keine Schrottplätze, sondern letzte Ruhestätten für Straßenkreuzer und Schlachtschiffe aus Zeiten, in denen Karosserien noch menschelten. Jetzt verstecken sie sich im Wald. Die berührend entrückten Bilder sind in der Ausstellung whispering forest / poetry about old cars zu sehen, mit der das Künstlerkollektiv Bababerlin seine Galerie in der Dieffenbachstraße einweiht.

Durch das Blätterdach fällt streifiges Licht auf die Autodächer. Knallgrünes Moos wuchert auf dem Kühlergrill wie Plankton auf einem Wal. Am Lenkrad wehen feine Spinnweben, auf den Armaturen sammeln sich Tannennadeln. Die Natur nagt an den Oldtimern, die keine Fremdkörper an diesen verwunschenen Orten sind, sondern sich in die Landschaft schmiegen, als wären sie schon immer da gewesen.

bababerlin Künstlerkollektiv, Dieffenbachstr. 52,

bis Do 30.4., Di-Do 12-18 Uhr, Sa/So 14-18 Uhr

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben