Mein KUNSTSTÜCK : Was die Stadt zusammenhält

Armin Leidinger

Wer früher eine Stadt „überblicken“ wollte, stieg auf einen Berg. Von dort erschien das Chaos der Stadt geordnet und sinnvoll. Und vielleicht war sogar eine Struktur zu erkennen – das, was die Stadt im Innersten zusammenhält.

Ähnliches versucht Michael Najjar mit der Fotoserie Netropolis in der Galerie im Einstein. Von zwölf Metropolen hat Najjar jeweils vier Panoramaaufnahmen gemacht – von jeder Himmelsrichtung eine. Am Computer überlagerte er diese Aufnahmen. Herausgekommen sind zwölf Großformate, auf denen abstrakte Strukturen von Hochhäusern sowie ein Netz aus Rastern und Linien zu sehen ist. Was diese „unsichtbare Stadt“ laut Najjar zusammenhält, sind die Verbindungen durch Internet und andere Telekommunikationsmittel. Willkommen in der Stadt des 21. Jahrhunderts: der „Netropolis“. Allerdings verkauft Najjar etwas als neu, was seit langem bekannt ist. Schon Georg Simmel oder Alfred Döblin haben darüber geschrieben, dass Großstädte sich immer mehr ähneln und von abstrakten Dingen wie Geld oder Technik zusammengehalten werden. Das Internet hat diesen Prozess nur verstärkt.

Galerie im Einstein, Unter den Linden 42, bis Mi 31. 12., Mo-So 8-24 Uhr

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