Mein KUNSTSTÜCK : Wenn Worte leuchten

Annabelle Seubert

Wie es sich im Exil wohl lebt? Mit Sehnsucht? Mit Angst? Lachend und rauchend wird der Maler Fred Uhlman nicht immer durch seine Zwangsheimat England spaziert sein. Auch wenn ihn das Foto im Archivfenster der Akademie der Künste so zeigt. Schließlich war es sein Londoner Haus, in dem sich 1938 gut fünfzig Emigranten aus Deutschland und Österreich versammelten, um die Free German League of Culture zu gründen – einen Deutschen Kulturbund in Großbritannien, der tänzerisch und zeichnerisch gegen das NS-Regime ankämpfte.

Wie sich verlorene Heimat anfühlt? Das lässt sich in all den Flugblättern, Programmheften und Einladungen der Organisation nachlesen. Sie sind zwar heute vergilbt, aber auch echte Zeugen. „10 Jahre Kulturbarbarei im Dritten Reich“ steht auf einer Broschüre von 1943, „Verbrannte und Verbannte“ auf einer anderen. Und Alfred Kerr, erster Präsident des Bundes, dachte immer an diesen einen Spruch, wenn er den Flüchtlingen zusah, wie sie auf der Bühne hüpften und sangen und scherzten. An „Schillers Wort“, das unsichtbar über ihnen leuchtete: „Und vergiss den großen Schmerz.“

Akademie der Künste,

Pariser Platz 4, Mitte,

bis So 9. 5., Di-So 11-20 Uhr

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