Zeitung Heute : Meinung: "Ich kam mir blöd vor"

"Ich habe noch nie ein Problem mit meiner Menstruation gehabt. Weder körperliche Beschwerden noch psychische Ausfallerscheinungen. Ich bin mir sicher, dass das Verhältnis zum eigenen Körper eine entscheidende Rolle spielt: Ob ich meinen Körper mag und entspannt mit meiner Sexualität umgehe. Bei uns zu Hause ist man mit solchen Themen immer locker umgegangen. Als ich mit 14 Jahren zum ersten Mal meine Tage bekommen habe, hat mich meine Mutter an die Hand genommen und ins Wohnzimmer geführt. Mein Vater saß auf der Couch, und sie hat voller Stolz verkündet: "Unsere Lisa ist jetzt eine Frau." Ich hab da gestanden, bin von einem Bein aufs andere gestapft und kam mir unheimlich blöd vor.

Mit fast 16 hatte ich meine ersten sexuellen Erlebnisse. Da hat mich meine Mutter zum Frauenarzt geschickt, damit er mir die Pille verschreibt, die habe ich aber später abgesetzt. Wegen der ganzen Nebenwirkungen und weil sie dick macht. Trotzdem ist alles, was es an Verhütungsschutz gibt, für Frauen ein Segen. Aber eine Langzeitpille, die den Tagen ein Ende setzt? Das halte ich für falsch, weil es das Frausein nicht leichter macht. Genauso falsch ist allerdings auch der Natürlichkeitswahn - die Periode als natürlicher Ausdruck der Weiblichkeit, die uns erst wirklich zur Frau macht. In unserer Welt ist doch nichts mehr Natur pur. Unsere Ernährung, die Medizin - alles künstlich. Also warum sollen ausgerechnet wir Frauen am Busen der Natur hängen bleiben?"

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