Zeitung Heute : Meist vegetarisch, immer aber nachdenklich

Wie man ethisch kocht: Eine neue Ausgabe von Florian Bolks Fanzine „Le Schicken“ ist erschienen

Der Berliner Fotograf Florian Bolk hat einen ausgezeichneten Ruf als Food-Spezialist. Der kommt nicht von ungefähr, denn Bolk liebt das, was da auf dem Teller liegt – ein Fan, wie man zweifellos sagen muss. Und deshalb nutzt er seine technischen Möglichkeiten, um ein „Foodfanzine“ herauszugeben, die ab und zu erscheinende Zeitschrift „Le Schicken“.

Dieser Name ist nicht so rätselhaft, wie er zunächst klingt, denn „Schicken“ ist in der Köchesprache einfach der Vorgang, dass ein fertiger Teller an den Service durchgereicht und zum Gast gebracht wird, vorzugsweise mit Ausrufezeichen. „Schicken!“ heißt dann soviel wie „jetzt aber raus damit!”

Nun schickt Bolk uns die fünfte Ausgabe seiner Zeitschrift. Papier und Format fallen immer ein wenig anders aus, das betont den informellen Charme des Projekts. Wie immer besteht sie vor allem aus langen, vermutlich kaum gekürzten Interviews. Das Motto lautet „Ethisch kochen”, was mir immer ein wenig aufstößt, weil ich die darin versteckte Unterstellung, die meisten Köche kochten unethisch, nicht akzeptieren mag.

Aber sei´s drum: Das Heft lebt von der klugen Auswahl der Interviewpartner, die zum großen Teil vegetarisch, durchweg aber nachdenklich arbeiten: Sven Elverfeld vom Wolfsburger „Aqua“, Pietro Leemann (Joia, Mailand), Siegfried Danler, (Amadeus, Almancil/Algarve) sowie der in diesem Zusammenhang unvermeidliche Berliner Vegan-Spezialist Björn Moschinski, der wohl bald wieder ein Restaurant eröffnen wird. Verblüffend ist vor allem das Gespräch mit Gabi Kurz, die sich als Bio-Köchin in Bischofswiesen einen guten Namen gemacht hat und nun im „Magnolia“ in Dubai kocht.

Außerdem kommt der Bio-Winzer Philipp Wittmann zu Wort; dass sein Name nirgendwo genannt wird, gehört zu den Spezialitäten dieses nicht wirklich professionellen, aber höchst informativen Magazins. Ein paar – natürlich – gut fotografierte Rezepte, ein ausführlicher Bericht über gentechnisch veränderte Saaten und In-Vitro-Fleisch ergänzen das Paket. Zu haben ist es vorzugsweise in einigen auf Kulinaria spezialisierten Buch- und Küchengeräte-Handlungen. Info: www. le-schicken. de. Bernd Matthies

Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Weblog von Bernd Matthies, http://feinkost.tagesspiegel.de

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