Zeitung Heute : Meister Gelsenkirchen ist

Seit mehr als 50 Jahren konnten die Schalker diesen Titel nicht mehr feiern. Dieses Jahr sind sie oben dabei. Aber egal, wie es ausgeht – wir zeigen schon jetzt die Meister-Elf aus der Stadt im Ruhrgebiet

Text: Bernd Müllender[Fotos: Andreas Teichmann]
Foto: Andreas Teichmann

ELSE LEMMES 16-fache Meisterin im Rettungsschwimmen

Wie kann man mit 83 Jahren ein solches Energiebündel sein, vital, schlagfertig, redelustig? „Ich schwimme seit der Grundschulzeit“, sagt Else Lemmes, „und ziehe jeden Morgen von 7 bis 8 Uhr meine Bahnen.“ Für die DLRG Gelsenkirchen-Mitte hat sie im Rettungsschwimmen 16 Senioren-Meistertitel geholt und ein halbes Dutzend in der Vierer-Mannschaft Ü280 (wo alle vier zusammen über 280 Jahre alt sein müssen). Zuletzt schaffte sie 25 Meter mit der mit Wasser gefüllten, einen Zentner schweren Puppe „Karl-Heinz“ in 39 Sekunden. Jahr um Jahr überreicht ihr Gelsenkirchen die Goldene Stadtsportmünze.

Die gelernte Schwimmmeisterin war Gaumeisterin Westfalen über 200 Meter Brust und hätte 1952 beinahe die Olympiateilnahme geschafft. Bei der Rettungsschwimmer-WM im Herbst in Ägypten geht sie nicht an den Start, weil so Jungspunde um die 70 dabei sind. Gemeinerweise ist die älteste Altersklasse bei der WM nämlich Ü60. „Da ist die Konkurrenz doch zu hart.“

Mehrfach hat Else Lemmes wirklich Leben gerettet. „Einmal war ein kleiner Junge in einen Feuerwehrteich gefallen“, erzählt sie, „ich sofort rein. Der wär verloren gewesen.“ Ein andermal auf einer Ruhrbrücke große Aufregung: „Da ist jemand untergegangen, riefen die Leute. Ich runtergetaucht, den hochgeholt und wiederbelebt. Und der lebt.“

Meisterfeier? Beim letzten Titelgewinn im Februar 2010 wurde Else Lemmes mit La Ola, Standing Ovations und Chorälen gefeiert. „Ach“, sagt sie, „das ist doch alles nur Blödsinn, weil ich so alt bin. Aber wenn es Ansporn für die Jüngeren ist, nicht aufzuhören, dann ist es gut so.“ Else Lemmes – ein Vorbild für den FC Schalke, der seit 1958 ohne Titel ist. Deren Spiele guckt sie immer im Fernsehen: „Im Stadion sind mir zu viele Menschen.“

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