MELANCHOLIE-FOLKAzure Ray : We are Family

Alexandra Distler

Dreampop, so lautete die Bezeichnung für den Sound von Azure Ray. Verträumter, eingängiger Indie-Folk mit sanftem Gesang und der zärtlichen Verheißung auf eine bessere und schönere Welt. Und so nimmt es auch nicht Wunder, dass die beiden, seit mittlerweile 20 Jahren befreundeten ehemaligen Kunststudentinnen Maria Taylor und Orenda Fink auf dem Label Saddle Creek von New- Folk-Ikone und Bright-Eyes-Wunderknabe Conor Oberst veröffentlichen. Dort erscheint 2003 ihr drittes Album „Hold on Love“. Gleichzeitig machen sich Fink und Taylor auf und ziehen an den Ort – Omaha in den Great Plains, Nebraska – der für lange Zeit als Schmiede für kreatives neues Songwriting in den USA stehen wird. Auch Moby war schon vom ätherischen Sirenengesang verzaubert, die Folge war eine gemeinsame Tour und die Ballade „The Great Escape“.

Danach wurde es stiller um die beiden Damen, die sich, vielleicht auch aufgrund leichter Überfliegertendenzen, erstmal ihren Solokarrieren widmen wollten. Orenda Fink initiierte das Duo-Projekt O&S, Maria Taylor nahm drei schöne Soloalben auf und tauchte immer wieder bei Bright Eyes auf, die in den letzten Jahren immer mehr zur Kernfamilie der Indie-Folk-Szene avancierten. Nach sieben Jahren erschien im Herbst letzten Jahres mit „Drawing down the Moon“ endlich ein neues Azure-Ray-Album. Kein überraschendes, jedoch ein stilsicheres, mit minimalistisch elektronischer Patina überzogenes Melancholie-Stück, im besten Sinne einfach schön. Und auch wenn die Platte als perfekter Herbststimmungsmacher beworben wurde, dem grauen Februar in Berlin steht sie allemal sehr gut. Alexandra Distler

Comet Club, Mo 14.2., 21 Uhr, 16 €

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