Zeitung Heute : MELODRAM

Lulu & Jimi

Christian Schröder

Als sie sich das erste Mal küssen, wölbt sich die tiefblaue Nacht über ihnen, und es blinken die Lichter vom Kettenkarussel. Aus den Lautsprechern dröhnt Rock’n’Roll: „Tell me you love me, tell me one more time.“ Lulu ist die Tochter einer bankrotten Fabrikantenfamilie, Jimi arbeitet als Aushilfe beim Autoscooter. Vor allem aber ist er schwarz, und weil wir uns im Jahr 1959 und in einer bayerischen Kleinstadt befinden, wird aus der Liaison rasch ein Drama, das den Hass und Rassismus aufwirbelt, den die Wirtschaftwunderdeutschen unter den Teppich gekehrt hatten. Oskar Roehler hat einen Film über eine unbedingte Liebe drehen wollen. Sein hervorragend besetztes Melodram ist Märchen und Krimi, souverän kreuzt er Douglas Sirks Technicolor-Kitsch mit den überhitzten Gefühlen eines David-Lynch-Thrillers. Großartig. Christian Schröder

„Lulu & Jimi“, D 2008, 94 Min., R: Oskar Roehler, D: Jennifer Decker, Ray Fearon, Katrin Sass

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