Mensch und Tier : Freunde fürs Leben

Der Mensch und sein Tier: Mögen die Geschichten noch so klein sein, rührend sind sie mitunter doch. Vor gar nicht langer Zeit sind dem Mann, Mittfünfziger mit den weitläufigen Geheimratsecken, seine beiden Katzen verstorben. Nicht tragisch, altersbedingt, die beiden waren schon weit, weit jenseits der Mittfünfzig. Aber schlucken musste der Mann schon. Wie damals, aber das ist nun wirklich schon eine Menge Jahre her, als das Kind mit fünfzehn erstmals mit der ersten Freundin verreiste und kurz vor der Abfahrt noch einmal in die Wohnung sprang, weil es seinen Delfin vergessen hatte, der aber unbedingt mit auf die Reise musste. Dass auch Bären traurige und zu Herzen gehende Geschichten schreiben können, wissen wir alle. Es gibt aber nicht nur Bruno, der angeblich so beladen mit Problemen war, dass man meinte, ihn niederstrecken zu müssen. Es gibt auch nicht nur Eisbären.

Im Landkreis Mainz-Bingen konnte nun einem Vertreter einer dritten Bären-Kategorie das Leben gerettet werden. Dieser Bär war seinem Besitzer Marlon abhanden gekommen und irrte hilflos und orientierungslos auf der Autobahn 61 herum. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre dieser arme Bär dem Tod geweiht gewesen. Irgendein Auto hätte ihn erfasst, überrollt oder durch die Luft geschleudert und zerfetzt. Es kam aber anders, weil zwei Polizisten, zwei von der Sorte der Freunde und Helfer, die A 61 absuchten, bis sie den vereinsamten Bären fanden, ihn behutsam in ihr Fahrzeug setzten und zu Besitzer Marlon zurückbrachten. Da war das Glück groß, und die Geschichte vom Menschen und seinem Tier um eine herzerwärmende Episode reicher. Alleine schon so.

Sie ist aber noch nicht vollständig erzählt. Marlon nämlich ist erst fünf Jahre alt. Abhanden kam ihm sein Tier, als er mit seiner Mutter im Auto saß und es ans offene Fenster hielt, um auch ihm etwas frische Luft zu gönnen. Der Sog des Fahrtwindes riss Marlon den Bär aus den Händen. Und so landete der Kleine hart auf dem Asphalt. Stundenlang hatte die Mutter versucht, Marlon zu beruhigen, ihn bestochen mit Gummibärchen, was sind die schon gegen einen ausgewachsenen Teddybären? Es half nichts, Marlon war nicht zu trösten. In ihrer Not rief die Mutter die Autobahnpolizei an. Und so kam es, dass zwei Polizeibeamte taten, was nicht ihre Pflicht war, was Marlon und seinem Bären aber die Tränen trocknete. Der Mann, der Mittfünfziger, erwägt nun, sich eine neue Katze zuzulegen. Helmut Schümann

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