Zeitung Heute : Menschenjagd light: Kandidaten-Wahl bei RealityRun.com - Web-Cams im Szene-Lokal

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Die Masse hebt die Berührungsängste des einzelnen auf, sie verwandelt den Einzelmenschen entsprechend den Formen der Masse, in die er eintaucht. Zum Beispiel in eine "Hetzmasse", die auf das Töten aus ist - so sah das der Schriftsteller Elias Canetti in den 50er Jahren, als es das Internet noch nicht gab. Ganz so schlimm wird es nicht werden, wenn am 14. August die erste Menschenjagd im Internet startet (der Tagesspiegel berichtete): Dann geht ein RealityRunner in Berlin auf die Flucht, muss sich 24 Tage lang ununterbrochen in Berlin versteckt halten. Jeder Internet-Nutzer kann sich an der Hetze beteiligen, live in den Straßen der Hauptstadt oder über das Netz. Der Preis: 10 000 Dollar.

Damit es die Masse nicht ganz so schwer hat, muss sich der RealityRunner einmal am Tag in einer Berliner Szene-Location aufhalten und von dort mit seinen Jägern telefonieren. Das geheime Lokal wird gerade mit Web-Cams verkabelt. Insgesamt 9000 Bewerber hatten Lust auf das Versteck-Spiel. Zehn Kandidaten, sieben Männer und drei Frauen, stehen bis Sonntag im Internet zur Abstimmung bereit (www.realityrun.com ). Einer kommt durch, tritt an gegen die unsichtbare Masse, die Online-Gemeinde.

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