Zeitung Heute : Mercedes-Benz SL: Der "Mythos Mercedes"

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Wer den neuen Mercedes SL erleben möchte, der muss sich noch bis Ende September gedulden - oder bis zur diesjährigen Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main, die am 13. September ihre Tore öffnet. Doch der neue SL ist ja nur das letzte Glied einer Kette, die 1954 mit dem ersten 300 SL begann - jenem legendären Coupé mit seinen beiden Flügeltüren. Eine technische Lösung aus einem Dilemma. Denn SL-Konstrukteur Rudolf Uhlenhaut hatte einen so stabilen Gitterrohrrahmen als Basis für dieses Auto entwickelt, dass an den Seiten einfach kein Platz für ganz normale Türen vorhanden war. Und da Uhlenhaut bei der Stabilität des Rahmens keine Kompromisse eingehen wollte, entschied er sich für eine nach oben öffnende Tür. Ihr besonderer Schwung erinnerte an die Flügel einer Möwe - und so entstand im amerikanischen Sprachraum der Begriff Gullwing für diese eigenwillige Türkonstruktion.

Den Gitterrohrrahmen und einen originalen SL mit Flügeltüren kann man von morgen an in Hamburg betrachten, wo man dann die dazu gehörende Hintergrundgeschichte erfährt. Denn in den Deichtorhallen im Zentrum Hamburgs, wo soeben die fünfte Generation des Mercedes SL ihre Weltpremiere erlebte, lädt bis zum 14. Oktober eine Ausstellung zum Besuch, die ein spezielles Kapitel Designgeschichte aus dem Automobilbereich aufarbeitet. Denn Autos sind nicht nur Verkehrsmittel, sondern immer auch Produkte, die Gegenstand von Projektionen, Träumen und Mythen sind, Produkte, deren äußere Form mindestens so wichtig ist wie ihr Nutzeffekt. Immerhin werden 80 bis 85 Prozent aller Autos bei uns "über Design", also wegen ihrer äußeren Erscheinung verkauft.

Kein Wunder, dass es Ziel aller Autohersteller ist, ihren Produkten ein einzigartiges und unverwechselbares Aussehen zu geben. Das in der Praxis zu verwirklichen, ist seit vielen Jahrzehnten Aufgabe von Designern und jeder Autohersteller hat heute große Designabteilungen - so etwas gab es in der gesamten deutschen Autoindustrie 1952, als der erste SL als Wettbewerbswagen auf die Räder gestellt wurde, noch nicht.

Wie es Mercedes gelingt, einen Mercedes immer wie einen Mercedes aussehen zu lassen, wird in der Hamburger Ausstellung am Beispiel der SL-Reihe und ihrer Vorläufer aus den 30er Jahren dargestellt. Mit interessanten Texten, Grafiken, Anekdoten, Details und vielen Grundsatzbetrachtungen zur Rolle des Design bei Autos und vor allem auch einer Sammlung aller Modelle dieser exklusiven Sportwagenbaureihe. Eine Zusammenstellung, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Geöffnet ist die Hamburger Schau dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet acht DM und eine Familenkarte für zwei Erwachsene und Kinder von sechs bis 14 Jahren gibt es für 14 DM.

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