Zeitung Heute : Mercedes-Benz: Wasserstoff im Praxistest

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Auf dem Weg zu einer umweltverträglichen Fahrzeugtechnik gab es kürzlich einen wichtigen Schritt: DaimlerChrysler übergab den ersten Kleinlastwagen mit Brennstoffzelle dem zweijährigen Praxis-Test beim Paket-Zustelldienst Hermes, der zum Otto-Versand gehört. Das Fahrzeug wird nun im Raum Stuttgart eingesetzt, später auch in Hamburg. Es stammt aus der Modellreihe "Sprinter". Die sehr flach gebaute Zelle befindet sich unter dem Boden des Lieferwagens, der hier produzierte Strom wird einem vorn liegenden Elektromotor zugeführt, der dort arbeitet, wo sonst der Dieselantrieb installiert ist.

Betankt wird der Wagen mit reinem Wasserstoff, dafür gibt es einen Druckspeicher an Bord. Die Reichweite beträgt etwa 150 Kilometer. Das Aggregat stammt vom kanadischen Hersteller Ballard, dieser hatte mit DaimlerChrysler Verträge im Volumen von etwa einer halben Milliarde Mark zur Entwicklung und Vermarktung der Technik geschlossen. In Nabern bei Kirchheim/Teck hat der Autohersteller seine Brennstoffzellen-Forschung zusammengezogen, dort befindet sich auch die erste Tankstelle für den Hermes-Sprinter. Weitere Tankstellen sind bereits in Sindelfingen, aber auch in Hamburg in Bau.

Seit 1994 forscht das Stuttgarter Automobilunternehmen an dieser Technik, die mittelfristig eine Abkehr von der Verbrennung fossiler Rohstoffe verspricht. Denn Wasserstoff lässt sich durch Elektrolyse von Wasser herstellen. Dafür wird elektrischer Strom benötigt, der künftig eben auch aus solaren Kraftwerken gewonnen werden könnte.

Daimler setzt die Brennstoffzelle auch in Personenwagen ein, in den Versuchsträgern "Necar". Es wird damit gerechnet, dass die ersten Pkw in drei Jahren marktreif sind. Ebenfalls weit voran gekommen ist das Unternehmen bei Wasserstoff-betriebenen Bussen. Modelle des nun vorgestellten Lieferwagens sollen gegen Ende des Jahrzehnts in Serie gehen.

Darüber hinaus experimentieren auch andere Autohersteller mit Wasserstoff, BMW nutzt ihn direkt zur Verbrennung im Motor, also ohne den Umweg über die Zelle. Aber es gibt zudem die Möglichkeit, flüssigen Kraftstoff einzusetzen, Methanol, zum Beispiel. Dafür wird ein "Reformer" benötigt, der Kohlen- und Sauerstoffatome vom Wasserstoff trennt. Denn nur dieser wird von der Brennstoffzelle gemeinsam mit Luftsauerstoff umgesetzt, um die erforderliche Energie zu produzieren. Als "Auspuffgas" der Zelle entsteht lediglich Wasserdampf.

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