Zeitung Heute : Meriten im (Un-)Ruhestand

Kurt Hammer, ehemaliger Kanzler der Freien Universität, erhielt das Bundesverdienstkreuz

Catarina Pietschmann

„Ein Vierteljahrhundert Freie Universität sind genug. Ab jetzt genieße ich mein Leben in vollen Zügen!“ Das hätte er sagen können. Aber der Typ ist Kurt Hammer einfach nicht. Und so erhielt der Ex-Kanzler der Freien Universität im Mai das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse nicht nur für sein langjähriges Wirken an der Universität – sondern vor allem auch für seine unermüdliche ehrenamtliche Tätigkeit danach. Denn der Mann, der von 1989 bis 1997 die „Brieftasche“ der Universität in der Hand hatte, ging nicht einfach in Pension. Der gelernte Kaufmann und Diplom-Volkswirt kümmert sich bis heute um das Finanzielle – nur eben an anderer Stelle. Anfangs brachte er als Geschäftsführer die Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität wieder auf die Beine. „Damals hatten wir nur 200 Alumni, von denen vielleicht 40 ihre Beiträge zahlten.“ 2002 überließ er das Amt Jüngeren – und hinterließ eine Liste mit nunmehr 1500 Mitgliedern und (natürlich) schwarze Zahlen. Jetzt hatte Kurt Hammer mehr Zeit für die Otto-KlungStiftung, deren Vorstand er bereits seit 1995 war. Durch sein Bemühen wird der Klung-Wilhelmy-Weberbank-Preis, der alljährlich einen herausragenden jüngeren deutschen Chemiker beziehungsweise Physiker auszeichnet, inzwischen von weiteren Stiftern getragen. Das Preisgeld stieg von 30 000 D-Mark auf 100 000 Euro, und der höchstdotierte privat finanzierte Wissenschaftspreis, anfangs nur Insidern bekannt, hat mehr Öffentlichkeit erhalten.

In 25 Jahren hat Kurt Hammer einige Präsidenten an der Freien Universität kommen und gehen sehen – von Rolf Kreibich bis hin zu Johann Gerlach. Hätte er gern mit einem das Amt getauscht? „Nein!“, sagt er schmunzelnd. „Ich hielt mich immer an die Devise des ersten Kanzlers meiner Alma Mater in Tübingen: Dem Rektor die Pracht, dem Kanzler die Macht.“ Und das in guten wie in schlechten Tagen.

Zu seinen schönsten Aufgaben gehörten die Berufungs-und Bleibeverhandlungen mit den Professorinnen und Professoren. „Es war immer spannend, ein neues Forschungsgebiet zu etablieren. Einzuschätzen, wie gut die Kandidaten wirklich sind, welche Unterstützung sie brauchen – und verdienen – und dafür zu sorgen, dass sie den Ruf auch annehmen oder bleiben.“ Aber es gab auch schwere Zeiten. 1973 etwa, als er – zunächst als Abteilungsleiter in der zentralen Verwaltung und Stellvertreter des damaligen Kanzlers – nach Berlin kam. „Das Schlimmste waren die oft harten Auseinandersetzungen mit den Studenten.“ In den achtziger Jahren trieb ihn die AsbestAngst um. Von einem Tag auf den anderen musste er das veterinärmedizinische Institut in der Koserstraße schließen, später die komplette Rostlaube. „Alle Mitarbeiter und Studierenden saßen buchstäblich auf der Straße. Heute fragt man sich, ob das alles rational war.“

Jetzt nimmt der Klung-Wilhelmy-Weberbank-Preis viel von seiner Zeit in Anspruch: „Das ist kein Selbstläufer.“ Hammer macht die komplette Buchhaltung und sorgt sich momentan, ob bei den derzeitigen Zinserträgen das Preisgeld auch für die nächsten Jahre noch in voller Höhe erwirtschaftet werden kann. Trotzdem: Die Zusammenarbeit mit den Stiftern, der Auswahlkommission und den Wissenschaftlern bereite ihm viel Freude.

Langeweile kommt aber auch sonst nicht auf. „Man hat mehr Zeit für Kunst und Kultur, für Fahrradtouren in und um Berlin, und auch unsere vier Enkel erfordern einige Aufmerksamkeit.“ Nach der Pensionierung hat das Ehepaar Hammer Bridge gelernt („Golf haben wir verpasst“), ganz bewusst, um zumindest im Ruhestand mehr gemeinsam zu tun. Seit acht Jahren verbringen sie regelmäßig den Winter im Norden Thailands, von wo aus sie Reisen nach Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar und Südchina unternehmen. „Die politische und kulturelle Entwicklung dieser Länder interessiert mich sehr.“

Hatte das Bundesverdienstkreuz denn eigentlich schon „Ausgang“? „Aber ja!“, Kurt Hammer lacht. „Mein jüngster Enkel bestand darauf, dass ich es zu seiner Kommunion anlege.“ Aber nur die kleine Nadel für das Knopfloch. Etwas anderes hätte die detaillierte „Trageanleitung“, die genau festlegt, zu welchem Anlass man das Schmuckstück tragen darf, auf welchem Kleidungsstück und an welcher Körperstelle, freilich gar nicht erlaubt.

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