Zeitung Heute : Merkel im Kongress: Lasst uns Mauern überwinden

In den USA schnelles Handeln beim Klima gefordert. „Wer Israel bedroht, bedroht auch uns“

Lutz Haverkamp

Washington/Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei den USA für die Hilfe und Unterstützung auf dem Weg zur deutschen Einheit bedankt. „Wir Deutschen wissen, wie viel wir Ihnen verdanken. Niemals werde ich Ihnen das vergessen“, sagte Merkel am Donnerstag während ihrer Rede vor beiden Häusern des Kongresses.

Die CDU-Politikerin erinnerte wenige Tage vor dem 20. Jahrestags des Mauerfalls im Kuppelsaal des Kapitols an die Berliner Luftbrücke und dankte den Amerikanern für diesen Einsatz, dem Deutschland immer ein ehrendes Andenken bewahren werde. Die deutsche Regierungschefin erwähnte die Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan, die sich für Deutschland einsetzten. Sie dankte auch US-Präsident George Bush senior, der Deutschland Partnerschaft und Führung anbot, und den 16 Millionen amerikanischen Soldaten und Diplomaten, die über Jahrzehnte in Deutschland stationiert waren und ohne die die „Überwindung der Teilung unmöglich gewesen wäre“.

Zuletzt hatte mit Konrad Adenauer im Mai 1957 ein deutscher Kanzler die Ehre erfahren, vor beiden Häusern des Kongresses, also Senat und Repräsentantenhaus, sprechen zu dürfen. Merkel wechselte nach kurzen englischen Dankesworten am Anfang ins Deutsche.

„In wenigen Tagen schreiben wir den 9. November“, an dem die Berliner Mauer fiel, erklärte die Kanzlerin unter dem lauten Beifall der Abgeordneten. Es sei aber auch der Jahrestag der Pogromnacht, die im Zivilisationsbruch der Shoah endete, sagte Merkel. Sie könne heute nicht hier stehen, ohne den Opfern der Shoah zu gedenken. In diesem Zusammenhang sagte die Kanzlerin, dass die Sicherheit Israels für sie niemals verhandelbar sei. Mit Blick auf den iranischen Präsidenten, der den jüdischen Staat von der Landkarte streichen wolle und den Holocaust leugne, sagte Merkel, dass der Iran niemals eine Atomwaffe besitzen dürfe. Damit werde nicht nur Israel, sondern die ganze Welt bedroht. „Wer Israel bedroht, bedroht auch uns“, sagte die Kanzlerin.

Merkel sprach neben anderen Krisenherden der Welt auch den Klimawandel an und sprach von einer Bewährungsprobe. Worin die Gefahr bestehe, sei schon jetzt zu sehen, am Anstieg der Meere, am Schmelzen der Gletscher. „Wir haben keine Zeit zu verlieren, wir brauchen eine Einigung bei der Klimakonferenz in Kopenhagen.“ Die Welt brauche die Bereitschaft aller Staaten, sich auf ein Ziel zu verständigen, sagte sie. Dabei dürften die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht ignoriert werden. Merkel ermunterte die USA zu Anstrengungen beim Klimaschutz. „Ich bin überzeugt, dass wir die Kraft haben, die Mauern des 21. Jahrhunderts zu überwinden“, sagte die Kanzlerin.

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Merkel im Weißen Haus zu einem Vier-Augen-Gespräch empfangen. Merkel sei eine „außerordentliche Führerin“, sagte Obama zu Beginn des Treffens in Washington und hob Merkels Engagement im Kampf gegen den Klimawandel hervor. Deutschland sei ein „starker Verbündeter“ der USA und zum Mittelpunkt einer „außerordentlichen starken Europäischen Union“ geworden. Die USA schätzten das Opfer, das deutsche Soldaten in Afghanistan brächten, betonte Obama. Beim Klimawandel begännen die USA, Deutschland und andere Länder zu verstehen, dass sie zusammenarbeiten müssten, um eine mögliche Katastrophe zu verhindern. mit dpa, AFP

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