Zeitung Heute : Merkel ruft zu Wachsamkeit auf

Kanzlerin im Tagesspiegel: Terrorismus stellt für Deutschland weiterhin eine sehr reale Bedrohung dar

Berlin - Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September in den USA sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel den Terrorismus weiter als „sehr reale Bedrohung“ auch für Deutschland an. Im Interview mit dem Tagesspiegel verwies Merkel auf die Festnahme von zwei Terrorverdächtigen in Berlin und mahnte, die Wachsamkeit dürfe nicht nachlassen. Zugleich würdigte die Kanzlerin die Leistung der Sicherheitsbehörden in Berlin: „Sie haben in guter nationaler und internationaler Zusammenarbeit eine mögliche Gefahr für die Bürger erkannt und dann konsequent gehandelt.“ Die sogenannte asymmetrische Bedrohung gebe es weiterhin, sagte Merkel. „Was kann man vorbeugend tun, wenn Menschen bereit sind, ihr eigenes Leben als Selbstmordattentäter in einem Anschlag wegzuwerfen? Das wird eine Gefahr bleiben“, sagte Merkel.

Im Fall der am Donnerstag in Berlin festgenommenen Terrorverdächtigen Samir M. und Hani N. gab es nach Informationen des Tagesspiegels schon vor zwei Jahren eine Spur in Richtung Afghanistan. Bei dem Deutschlibanesen Samir M. (24) wurden im September 2009 am Flughafen Berlin-Tegel zwei Wörterbücher gefunden, die vermutlich wenige Tage zuvor der deutsche Dschihadist Eric Breininger vom afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aus bei einem Berliner Islamisten bestellt hatte. Breininger hatte über einen Mittelsmann in Istanbul um ein deutsch-arabisches/arabisch-deutsches Wörterbuch gebeten, „und zwar ein gutes Wörterbuch“. Der aus dem Saarland stammende Breininger war führendes Mitglied der Terrorgruppe „Deutsche Taliban Mudschahedin“, die an der Seite der Taliban und anderer militanter Organisationen aktiv ist. Breininger, der im April 2010 in Pakistan getötet wurde, hatte Probleme, sich mit den Dschihadisten aus anderen Ländern zu verständigen. Gegen Samir M. erließ am Freitagabend ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten einen Haftbefehl wegen des aktuellen Vorwurfs, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Auch der Mitbeschuldigte Hani N. wurde in U-Haft gesteckt. Beide Männer sollen versucht haben, Chemikalien zu beschaffen, die für die Herstellung von Sprengstoff taugen könnten. Der Anwalt von Samir M., Alexander Funck, sagte dem Tagesspiegel, aus seiner Sicht gebe es keinen dringenden Tatverdacht.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben