Zeitung Heute : Merkel vertraut Wulff „vollstens“

Maschmeyer bezahlte Anzeigenkampagne.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren Rückhalt für den wegen eines Privatdarlehens in die Kritik geratenen Bundespräsidenten Christian Wulff bekräftigt. „Der Bundespräsident leistet hervorragende Arbeit“, sagte Merkel bei einem Besuch im Kosovo. Er genieße ihr „vollstes Vertrauen“. Was im Raum stehe, werde von ihm persönlich aufgeklärt. Deshalb sei es „richtig und wichtig“, dass nun auch bestimmte Dokumente eingesehen werden könnten. Dazu lud am Montag die von Wulff beauftragte Anwaltskanzlei Redeker-Sellner-Dahs in ihre Berliner Geschäftsräume.

Unterdessen berichtet die „Bild“-Zeitung, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer 2008 eine Anzeigen-Kampagne für ein Interview-Buch Wulffs bezahlt hat. Für die Zeitungsanzeigen, mit denen 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch „Besser die Wahrheit“ geworben worden sei, habe Maschmeyer nach eigenen Aussagen 42 700 Euro aus seinem Privatvermögen ausgegeben. Wulffs Rechtsbeistand Gernot Lehr erklärte, Wulff sei von den Zahlungen nichts bekanntgewesen.

Der Präsident steht bereits wegen eines zinsgünstigen Privatkredits in Höhe von 500 000 Euro in der Kritik, das ihm Unternehmergattin Edith Geerkens 2008 in seiner Zeit als Regierungschef von Niedersachsen gewährte, „ohne Verwendungszweck zur freien Verwendung“. Ein Hinweis, dass der Kredit in Wirklichkeit von Egon Geerkens gewährt wurde, findet sich nicht. Unterschrieben hatten Wulff, seine Frau Bettina sowie Edith Geerkens. Um den Zinssatz feilschte Wulff offenbar bis zuletzt: Er wurde drei Wochen nach Vertragsabschluss handschriftlich von 4,5 auf vier Prozent korrigiert. So sparte Wulff nochmals 209 Euro monatlich. Der damalige Durchschnittszins für Kredite lag laut Bundesbankstatistik bei 5,74 Prozent. Anwalt Lehr bestätigte, dass Wulff sechs Mal kostenlos Ferienhäuser von Unternehmern nutzte, drei Mal Immobilien der Geerkens.raw/ball

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